Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 435 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnat-ks über das Wesen des (’hristcnthums. 43f> festhalten, Propheten, die fern vom Lande ihrer Wünsche, oder im tiefen Unglücke sterben, und doch ein unvergängliebes Erbe hinterlassen. Gerade in einer Zeit des tiefsten Falles, während des babylonischen Exiles, hatte der Prophet Jesaias den schliesslichen Sieg der Israel offenbarten Wahrheit vorkündigt. Seine Getreuen bezeichnete er als den ״Knecht Uottes״ ,״auf den er seinen Geist gelegt, der das Recht den Völkern bringen soll“. Das werde geschehen ohne äussere Macht und Gewalt. ״Er soll nicht schreien, nicht laut rufen und nicht auf den Gassen seine Stimme erschallen lassen, zerknicktes Rohr nicht zerbrechen, vergliminenden Docht nicht verlöschen,. zur Wahrheit das Recht führen“. Fürsten und Völker werden einst selbst zur Erkenntnis seiner Gerechtigkeit und des von ihnen an ihm verübten Unrechtes kommen und sprechen: ״Vorachtet war er und gemieden von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut, einer, von dem man das Angesicht abwandte, der gering geschätzt ward und den wir für nichts wert hielten. Aber unsere Krankheilen waren es, die er getragen hat, und unsere Schmerzen haben auf ihm gelastet, während wir ihn für gestraft, von Gott geschlagen und heimgesucht hielten“. ... Er ward misshandelt, während er willig sich beugte und seinen Mund nicht Öffnete; wie ein Lumm, das zur Schlachtbank geführt wird, wie ein Schaf, das vor seinen Scherern verstummt, öffnete er seinen Mund nicht“. . . . ״Man gab bei Gottlosen ihm sein Grab, bei LTebeltätern seinen Totenhügel, obgleich er kein Unrecht getan und kein Trug war in seinem Munde. Gott, wollte ihn niederdrücken und leiden lassen. Dann, wann er seine Seele zum Schuldopfer machte, würde er Nachkommenschaft schauen, lange leben und Gottes Wille würde durch ihn vollführt“ 1). In diesem dem Israel des Exils vorgeführten Bilde eines treuen und bis zum Tode verfolgten Knechtes Gottes glaubten die Schüler Jesu die Gestalt ihres Meisters zu schauen, und danach erschien ihnen sein Tod als vorausbestimmt und sein Leiden als von Gott gewollt2). Das sanfte, schuldlos durchbohrte Lamm dieses Bildes wurde ihnen zum Opfer- und 1} Jes. 42. I ff. 41, 9 ff. 44, 1 ff. 50, 4 ff, 52, 18 ff. c. 53. 2) Apgsch. $, 32 ff. Ev. J011. 1, 29. 36. 1 Petr. 1, 19. 2, 22—25. Apokal. 5, 6 ff. 28*