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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 5 · p. Seite 423

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 5
Article
Die Paulinische Lehre vom Gesetz
Date
1903-01-01
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
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Die Paulinischo Lehre vom Gesetz. 423 djuss das Gesetz an sich doch ״heilig, gerecht und gut und göttlich“ ist (Rom. 7, 12; 8, 20). Demnach muss Jenes sicherlich einen tieferen, allenfalls ausserhalb des Gesetzes liegenden Grund haben, einen solchen nämlich, der es bewirkt, dass das Gesetz schlechthin nicht gehalten werden kann, ohne dass die Heiligkeit des Gesetzes selbst dadurch auch nur im Geringsten in Mitleidenschaft gezogen würde. Dieser Grund — : Paulus findet ihn zuletzt im Prineip der Sünde, im Fleisch oder, um mit Weizsäcker zu reden: ״in dem Bestand des Menschen aus natürlichem (und nicht etwa erst gewordenem) Fleisch“1). Nämlich, so meint Paulus, das Gesetz ist ״geistlicher“ Natur; der Mensch aber besteht von Natur aus ״Geist“ und .,Fleisch“ (oder ״Leib“). Jedoch nicht zu gleichen Theilcn; sondern Letzteres, das Fleisch, ist der weitaus mächtigere Theil. Es ist nicht bloss das eigentliche Organ des Handelns, sondern es bestimmt allein auch das Handeln. Während die Function des ״Geistes“ sich bloss auf den Bereich des Bewusstseins, des Denkens und Wo-llens erstreckt. Somit: ״Das Wollen ist da, das Vollbringen des Guten aber nicht . . . Ich stimme mit Freuden dem Gesetze Gottes (dem mosaischen) zu nach dem inneren Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches gegen das Gesetz meines Denkens kämpft und mich gefangen setzt in dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“, Uöm. 7, 14—23. Daher unsere durchgängige tödtliche Ohnmacht und mit ihr zugleich die des Gesetzes, welch Letzteres, als ״geistliches“ und somit mit dem ״Geist“ wesensgleiches, uds zu Hülfe kommen sollte, leider aber, von demselben ״Fleische“ unterjocht, sich völlig kraftlos erwiesen hat und noch fortwährend erweist, ibid. V. 24 und 8, 2. 3 ff. — Woher hat Paulus diese seltsame, fatalistisch, ja man möchte fast sagen, materialistisch gefärbte Anthropologie? Nach Lipsius ruht dieselbe durchaus auf altt-estarne 111lieber Grundlage; ״ihre angeblich hellenistisch-dualistischen *) A. a. 0. S. 131. So auch Lipsius zu Rüm. 7, 14 a. a. 0. S. 141 : ״Hiermit ist allerdings eine Naturnotwendigkeit dos Sündigens ausgesprochen, die nicht erst durch das geschichtliche Factum des adamitischen Sündenfalles, sondern in der des Menschen (d. h. nicht in seiner fleischlichen Willensrichtung, sondern in seiner Fleisch- Substanz) begründet ist“,

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