Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Märtyrergräber in Nikolsburg
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 4)
- Language
- German
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Märtyrergrüber in Nikolsburg. 359 Ungeheure Aufregung bemächtigte sieh aller und insbesondere der «Juden. Das Verhängnis* war da. Der Stein war von einem Dache herabgetlogen, und niemand trug die Schuld an dem unglückseligen Ereignis. Nach wenigen Stunden wurde öffentlich verkündet, dass die Judonschaft Nikolsburgs ausgetrieben werden solle, wenn nicht innerhalb 24 Stunden der Tb ater ausfindig gemacht und dem Gerichte überliefert würde. Ein junger, edler, frommer Mann, der vor Kurzem ein junges Weib heimgeführt; hatte, fasste den schrecklichen Entschluss, den Märtyrertod zu sterben. Er meldete sich — welche unglaubliche That —- als Mörder, der er nicht war. Es war die Pessachwocho; die seit jeher gefahrenerfüllte Zeit, während welcher im Laufe der Geschieht.(' Ströme unschuldig vergossenen Judenbluts geflossen sind. Am Rüsttage zum Passachfestc, Freitag*) am 13. Nisan lf>29, betraten einig(1 Vornehme und Vorsteher (hu• Gemeinde und mit ihnen der Berichterstatter in obiger Urkunde, R. Pessach Schammasch, Rabbi Jonathan Katz, Rabbi Aberl Schön und R. Wolf Segal die Zelle des ״Heiligen״, um ihn zu :rösten. Er erbat sich vor seinem Ende dio Gnado, dass seine Mutter, die ihm so viel gutes gethan. einst neben ihm begraben werden solle. Leah hiess die beklagenswerte Frau. Um die Zeit der Darbringung des Pessachopfers fiel Eijakums Haupt untei• dem grausamen Schwert des Scharfrichters. Kr wurde — so erzählt die Sage ־—• vor der Altschul enthauptet gerade gegenüber dem abschüssigen ״Bergei״ (die Bruck), an dessen Fasse die ״NcuschuP steht, die in ältesten Zeiten die Gemeindesynagoge war, da sie im Ghetto stand, Eijakums Haupt rollte das ״BergeP hinab und blieb vor dem ״Neu- «chuP-Thore liegen. Ein Auge des Märtyrers wurde in ein Schloss gethan, das bis zum heutigen Tage an einer Eisenatange über der Eingangspforte hängt; das zweite Auge wurde ebenfalls und in gleicher Weise über der Thiire ״der unteren WeiberschuP der Altschul angebracht, wo es heute noch zu sehen ist. Kein Grabhügel aber und kein Stein zeigt, wo Eljakum und dessen Mutter Leah bestattet sind. Verrauthlich sind sie dort in die Erde gesunken, wo heute noch die Denksteine der Familienangehörigen (Heski?) aufrecht stehen. Man nennt den Ort ,,Kedosehim-Platz“. Die Epitaphien lauten : *) Der R'üsttag zum Pessachfeste wa* damals aber ein Sabbath, AI, Z>t\