Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Paulinische Lehre vom Gesetz. 337 Wie will man denn nun speciell die paulinische Lehre vom Gesetz — diesem bei Weitem wichtigsten und wesentliebsten Besüindtheil der gestimmten Predigt des Apostels — von demselben Philo gut herleiten? Man sieht, wir stehen hier so ziemlich auf demselben Flecke wie oben bei Fried- 1 ander. Und es bedarf somit eigentlich gar nicht mehr solcher, übrigens durchaus richtiger Erwägungen, wie derjenigen Pf leiilerera1), wenn er sagt: ״Man könnte freilich uenken, durch eine consequente Durchführung dieser typisch-allegorischen Deutung hätte Paulus die Abrogation dos Ccrenionialgesetzes, um welche sich der Kampf mit den Judaisten zunächb♦• drehte, auf einfachere und mildere Weise durchführen können, als durch die schroffe und künstliche Art, wie er das (doch selbst auch für göttlich goottenbart gehaltene Gesetz) in rein negative Beziehung zur lleilsökonomie stellt.“ In der That constatiert Vollmer zuweilen auch ein mehr oder minder bewusstes Ilinausgehen des Apostels über den alexandrimschem Philosophen. So z, B. (S. 88) bei der Vergleichung von Röm. 8, 29 mit Do conf. ling. I 420 f., wo nämlich Paulus ״mehr sagt als der jüd, Philosoph, insofern die Bruderschaft mit dem 0,/070ד0>0דד; das gemeinsame Kindesverhältniss Gott gegenüber in sich fasst, welches Philo den Menschen zuzusprcchen sich scheut“, u. Aelml. Ob aber derartige Berührungen, und bezw. ein solches Hinausgehen des Apostels über den Philosophen sich auch im Mittelpunkte der paulinischen Gesetzeslohro bestimmt auf- und nach weisen lassen: das ist die Frage. Wir glauben sie — schon auf Grund des Bisherigen — entschieden verneinen fluch tigung derselben zu blossen Gedankendingon ist ja vielleicht noch ein Unterschied. Joel beruft sich auf die talraudische Angabe (Mecbiltha Mischpat. 13), wonach, alsR. Ismael, Zeitgenosse Akiba’s, von satnmtlichon pentatouc-hischen Gesetzen nur drei als Maschal (uneigontlich) erklärte, seine Collegon ihm zwei concedirten, eines aber noch abzogen, weil gleichfalls eigentlich gemeint. Nun, wir wissen bereits, dass bei Paulus im Ganzen nur ein 901che8 ״Maschal“ zu finden ist. Ferner wissen wir, dass schon in den Schulen Sclianmai’s und K i 11 01’8 ein solches Gesetz selbst, wie das der beiden Lämmer des täglichen Opfers (Num. 28, 3), allegorisch erklärt wurde (Peaiktha, ed. Buber, p. 61 b; vgl. Bacher, Agada d. Tann, S. 19 f), freilhb auch nicht, um es gleich zum blossen Gedankending zu verflüchtigen. S. übrigens auch Bacher a. a. 0. S. 33 ff. über die ״symbolische*4 Schriftauslegung K. Jochanan b. Sakkai’a in Verbindung mit den דורשי רשומות und דורשי חמורות. l) Der Paulinismus (Leipzig 1873) S. 72. S, Anhang Nr. 5, Monatsschrift, 47. Jahrgang, 22