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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 4 · p. Seite 329

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 4
Article
Die Paulinische Lehre vom Gesetz
Date
1903-01-01
Page
Seite 329 (sequence 8)
Language
German
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Die Paulinischo Lehre vom Gesetz. 329 merkwürdigerweise gerade die 80 arg verschmähte pharisäisehe Quelle hier ziemlich reich Üiesst1). Wir haben nämlich schon gehört, dasis F. die Behauptung, wonach Paulus ein pharisäischer Sehriftgelehrter gewesen, als eine ״durch Nichts begründete“ einfach unberücksichtigt lassen möchte. Ist es doch, 80 meint F.~), lediglich die Apostelgeschichte, welche etwas davon weiss, dass Paulus zu den Füssen Garnnliels gesessen, wie denn überhaupt nur sie das Pharisäerthum des Apostels tendenziös betont, während er selbst in den Briefen, und auch das nur an einer einzigen Stelle (Gal. 1, 13f.)3), sich bloss wie folgt äussert: ״denn ihr habt wohl gehört von meinem einstigen Wandel im Judenthum, wie ich die (iemeinde ג) S. 152 (nach Gal. 5, 18) und 170 f.: ״Die Ueberzeugung, dass der Messias in erster Linie berufen sei. das Gesetz au 17,uheben, ist jedoch keineswegs dem Gehirn des Apostels entsprungen, sie war vielmehr schon früher Gemeingut weiter Kreise״. Billigerweise hätte aber sogleich hinzugefügt werden müssen: weiter, und zwar ausschliesslich palästinensischer Kreise (s. näheres weiter m:ten C. VI). Uebrigens stimmt das ״in erster Linie״ nur wenig, und auch das Citat aus Berachoth 34 b ist hier absolut werthlos. ״) S. 164 tf. 3) Da die Echtheit von Phil. 3, 5 (wie überhaupt des Philippe!־• briefes) eine angozwei feite sei. — Wir wollen hier gleich bemerken, dass v ir auf die fragliche Angabe der Apostelgeschichte (23, 3), als eine ziemlich irrevelante, kein Gewicht legen, obschon dieselbe an und für sich r.ichts Unglaubliches enthält. Dass Paulus, als Schüler des freisinuigen und toleranten Gamaliel kein Verfolger hätte werden künnon, wie Ronan meint (Die Apostel, deutsche (Reclam-) Ausgabe S. L6<>), beweis-t dagogen eben so wenig, wie das F.'sche Argumentum 0 silontio (S. 165). Denn für’s Erste braucht ein Schüler, nicht in Allem und Jedem seinem Meister zu gleichen; das Zweite aber könnte wohl auch darin seinen Grund haben, dass Paulus sich eben, wie er selbst sagt, keiner Art von menschlicher Weisheit berühmen will (I Cor. 1,20 11’., 2, 1 IF;), — Interessant ist aber, dass F,r der hier der Apostelgeschichte so wenig Glauben schenken will, ihr an einem andorou Orte, nämlich was dio ״gesetzesfreie“ Predigt des Stophanus betrifYc, auf’s Wort glaubt, obschon Paulus selbst auch hievon, wie überhaupt des Stephanus, nirgends Erwähnung thut (vgl. über das UnhUtorische der Stephanus? Gesch.chte, Joel, a. a. 0. S. 75 f.). Inwiefern übrigens gerade dieser Stephanus den Wechsel in der Gesinnung Paulus’ herbeigeführt haben soll, wie F. mit Renan annimmt, vermögen uns Beide nur auf sehr künstliche Weise begreiflich zu machen. A: 41 davon, dass die ״Libertiner״ zu denen sich Paulus mit Vorliebe gesellt habe, die ״erbittertsten Gegner der pharisäischen Schriftgelehrten״ waren, scheint nur F. Genauerrs zu wissen. Apostelgesch. 9, 27 ff. sagt vielmehr, dass Paulus in Jerusalen auch mit den Hellenisten verhandelte, welche es aber darauf anlegten, ihn zu tüdten.

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