Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Paulinische Lehre vom Gesetz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 7)
- Language
- German
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328 Die Paulinisch© Lehre vom Gesotz. Anhang״ vortheidigen zu müssen glaubt, sondern vornehmlicii weil sie, auch nach seiner philosophischen Ueberzeugung, durchaus aut dem Holzwege sind. *Denn“, 80 sagt Philo, ״man muss den Wortcinn (des Gesetzes) für den Leib, den ge־ lieimen für die Seele ansehen. Wie man nun für den Körper, als Behausung der Seele, Sorge trägt, so muss man auch den Wort sinn der Gesetze achten. Denn nur wenn dieser beobachtet wird, kann man auch die geheime Wahrheit klar erkennen, abgesehen davon, dass man nur auf diese Weise den! Tadel ucr Menge entgehen kann“. Gesetzt aber auch, es sei diese Partei eine starke gewesen, 80 besteht doch zwischen ihrem angeblichen ״Gesetze9verächterthmna und dem unseres AposteLs wahrlieh noch ein himmelweiter Unterschied1). Man kann kühn behaupten, dass selbst der eingefleischteste und in der religiosen Praxis sich am freiesten gehabende aiexandrinische Allegorist sich dem System Paulus’ gegenüber ebenso schroff ablehnend verhalten haben würde, wie irgend ein strenger palästinischer Pharisäer. Lst es doch ohne Zweifel ganz etwas anderes, zu sagen, der Wortsinn der mosaischen Gesetze sei nur ein Gelass für geheime, aber hohe Wahrheiten, oder aber mit Paulus, dass das Gesetz nur ״um der Uebertretungen willen dazwischengekommen״ sei. (Gal. 3, 9; Rom. 5, 20). F. spricht ei gen thümlichei* weise immer nur vom Ceremonialgesetz, übersieht aber, wie es scheint, ganz, dass Paulus z. B. auch vom zehnten Gebot sagt: ״Hätte ich doch auch von der Lust nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Lass dich nicht gelüsten; die Sünde aber hat das Gebot benützt, um alle Lüste ins Leben zu rufen״ (Rom. 7, 7). — — Wo eu aber darauf ankommt, den Kern- und Angelpunkt der paulinischen Lehre, nämlich, um F/s eigene Worte zu gebrauchen, ״die Himmelsbotschaft, es sei mit der Herrschaft des Gesetzes zu Ende, da der Geist das Sceptcr angefangenu, wissenschaftlich herzuleiten, da versiegt bei ihm die aiexandrinische Quelle vollständig, während l) Dies gilt auch gegenüber Joel (n. a, 0. S. 28 welcher gleichfalls meinte, dass die ״antinomistiseke und antinationale Eichtung des Christonthums nicht im Centruin des jüdischen Lebens, In Palästina, entstanden sei, sondern unter den hellenistischen Juden, unter denen dieser Antinomismüs, ja sogar unbeeinflusst vom Christenthume, schon in den Tagen Philo ’s ^rincipielle Vertreter hatte“. Auch hier figuriert übrigens dio obige Philo-Steile als einziger Beweis.