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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 4 · p. Seite 325

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 4
Article
Die Paulinische Lehre vom Gesetz
Date
1903-01-01
Page
Seite 325 (sequence 4)
Language
German
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Die Paulinische Lohre vom Gesetz. 325 Vollends verwickelt aber wird die Sache, wenn Paulus vor seiner Bekehrung uni Zeit seines jüdischen Vorleben» wirklich der für das Gesetz eifernde, pharisäisch erzogene und geschulte Jude war, als der er fast allgemein gilt. Denn zwisehen dem pharisäischen Judenthum einer- und der pnuÜnischen Gesetzes-Theologie andererseits besteht jedenfalls eine Kluft, die, wie es scheint, schlechterdings unüberbrückbar ist. Freilich, meiat Weizsäcker1), dass wir gerade in diesem pharisäischen Vorleben des Apostels eine der historischen Voraussetzungen zur Erklärung der grossen Umwandlung in dem lieben und in der späteren Lehre desselben zu suchen hätten. ״Die überwältigende Schilderung, welche Paulus (Rom. 7, 7 ff,) von dem Zustande des Menschen unter dem Gesetze giebt, die Darstellung des inneren Widerspruches, dass das heilige Gesotz doch nicht heilig macht, sondern mit seinem Gebot die Sünde erweckt und belebt, der Ausdruck der Qual unter der flacht der Sünde, welche den Willen .lähmt und unter dem Gesetze doch gefangen hält: Alles das . . . ist aus dom eigenen Leben geschöpft. So wie es jetzt vor ihm liegt, hat er 03 verstehen gelernt, seit er die Befreiung erlangt hat. Aber was er jetzt verstellt, das hat er erlebt. Niemand konnte diesen Zwiespalt 80 beschreiben, der ilm nicht sebst cmpfunden hat, und Niemand konnte ihn empfinden, der nicht mit aller Kraft seines Innern in dem Gesetz gerecht werden wollte“. Allein W. selbst malmt uns gelegentlich daran, nicht zu vergessen, dass wir die eigene Vergangenheit von ihm (dem Apostel) doch nur so kennen lernen, wie sie sieh ihm selbst erst nach einer Reihe von Jahren darstellte 1 An und für sich aber ist es denn doch im hohen Grade unwahrscheinlieh, dass ein Pharisäer der Schule den Zustand des Menschen unter dem Gesetze jemals derart empfunden haben sollte, wie clas bei Paulus der Fall gewesen sein soll. Zuversichtlich haben auch noch Andere ausser ihm ״mit aller'Kraft ihres Inneren44 in dem Gesetze gerecht werden wollen, war dies auch Anderen, wie W. ferner sagt ״Sache des Gewissens“. Und doch belanden die sich dabei, so viel wir wissen, meist recht wohl und wussten nichts von solcher überwältigenden ״Gewissensnoth44 und ״inneren Pein“. Die Ursache, meint _W., malig gezeitigte Ergebniss־ einer Entwicklung fasst, in welcher aach dem Marcion. und seiner Schule eine Stelle angewiesen wird*, — Etwas was nach L. ganz undenkbar ist. 1) A, a. 0. S. 74 f.

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