Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829773-2884666--32127-2884716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Kritik des griechischen und massorotisclien Buches Esther. 30ö zuführen. E. Slave vermag wahrscheinlich zu machen, dass iil>erlmtipt die Anonymität, die den Engeln in den älteren JSCicliern des A. T. zukoinmt, und in Daniel borcits aufgegeben wird, wo die Er.gel mit Namen aufziitroten beginnen, und jedem ein besonderes Geschiiit zugewiesen ist, aut persischem Einfluss beruhe (Stave 22b f.). Denn du die Engelsvorstellung der Juden mit denen der Perser sieh eng berührte, so nahm diese ihnen gemeinsame Vorstellung, nachdem beide Völker in nähere Beziehung mit einander getreten waren, unwilb kürlich eine gleiche Entwicklung. Unbewusst, haben also hier die concretcren Anschauungen der Perser über ihre Engel auf die Ausgestaltung der jüdischen Engelslehre gewirkt. Im ,übrigen hat der Parsismus auf das Judonthum der alttestanientlichon Periode keinen Einfluss ausgeübt, und .Entlehnungen auf religiösem Gebiete haben überhaupt nicht stattgofunden.. Erst in späterer talmudischor Zeit, nachdem die JudenJahrhunderte lang sieh in Persien aufgehaiten hatten, so dass sie mit dem Parsismus gänzlich vertraut wurden, haben sich im Sassaniden- Zeitalter auch manche Anschauungen von der Eschatologie, Angeiologie und Dämonologie der Perser, mit denen der Juden verwebt, so dass in der spätem jüdischen Literatur sich davon ein reicher־ Niederschlag findet1). Und auch E. Stave a. a. 0. p. 5 gelangt zu dem-Resultate, ״dass der Einfluss der Ideen Zarathustras auf das Judentum sich nicht am meisten herschreibt aus der Zeit der persischen Herr• achaft, sondern vor allem den späteren Zeitströrnungon zu vordanken ist.u Hätten übrigens irgend welche Entlehnungen aus der altpersischen Religion im A, T. stattgefunden, so wären unbedingt davon Spuren in der Sprache zurückgeblieben. Denn die Religion bat zum Thoil dio Sprache geschaffen, und in der Sprachgeschichte spiegelt sich zugleich die Religionsgeschichto. Wie gross dio Einwirkung einer Religion auf Sprache und Litteratur eines Volkes ist, ersieht inan sehr deutlich aus der arabischen Litteratur, da man hei ihr die vorislamische mit der nachislamischen Litteratur vergleichen kann. In der letzteren weht ein durchaus verschiedener Geist, weil der ganze Ideenkreis ganz anderer Art ist, und ausserdem mit den neuen Begriffen auch neue Wörter einwanderten, die aus andern semitischen Sprachen aus dem Aramäischen und Späthebräischen stammen. Diese Wörter נ) Ygl. E. Boklen : D. Verwandtschaft d. jüd.-chriatl. mit d. pur- 8i8(;hen Eschatologie, Göttingen, 1902. Monatsschrift, 47, Jahrgang. 20