Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther. 301 scheidet hier unter den Exulanten zwei Klassen, 1. solche, die auf Gott vertrauen, selbst wenn ihnen nicht die Sonne des Glückes scheint; 2. solche, die dem persischen Feuer cult huldigen. Nach der persischen Religion durfte nur dann ein Stück Yieh geschlachtet und verzehrt werden, wenn von ihm gewisse Th eile den Himmlischen (dem göttlichen Ilaoma, dem Feuer und dem Wasser), geweiht wurden (vgl. Jasna, 11, 4—7; Yend. 18, 70). Und unter allen Thieren stand der Hund dem Menschen am nächsten und war ihm beinahe ebenbürtig. Es war ein schweres Verbrechen, ihn zu schlagen oder zu verwunden oder gar zu töten (vgl. Vendidäd 18). Den Mazda-Anhängern erscheint derjenige als Sünder, welcher gegen diese Vorschriften verstösst: ein solcher ist ein Anhänger der Dämonen, ״ein Menschenschlägor, ein Hundewürger״. Ferner galt den Persern das Schwein für ein reines Thier. Und bei den Weihrauchspenden wurden einzelne Stellen aus dem Avesta recitiert (vgl. Arda Viraf X, 82—33). Aut diese persische Religion»• auschauung macht der Prophet in Cap. 66, 3 sarkastische Anspielungen: ״Wer ein Stier (nach jüdischem Ritus) schlachtet, gleicht (bei den Persern) einem Menschonschläger, wer ein Lamm schlachtet, gleicht einem Hundewürger. Man bringt als Opfer Saublut dar, spendet Weihrauch und spricht dabei gottlose Gebete“. Die Reinheit war den Mazda-Anhängern vorgeschrieben. Wen man vom Unreinen befleckt war, so musste man durch die Reinheitsceremonien den früheren Zustand der Reinheit wiederherstelleu. Die kräftigste aller Reinigungen, wozu die Gegenwart eines Priesters erforderlich war, bestand in der, in Vendidäd 9 beschriebenen Cerernonie. Diese Reinigung ßndet in einem unfruchtbaren, umhegten Platz statt. Sechs Löcher werden dort in die Erde gegraben, jedes einen Schritt von den andern entfernt. Darauf gräbt inan drei weitere Löcher, die drei Schritte von den sechs früher genannten entfernt sind. Um diese Löcher werden kreisartige Furchen gezogen. Der Verunreinigte steht nun innerhalb der kreisartigen Furchen, der Priester dagegen hinter ihm, ausserhalb dieser Kreise. Gegen diese Reinigungsceremonien eifert nun der Prophet in Cap. 66, 17: ״Sowohl diejenigen, die sich heiligen und reinigen in den umfriedigten Plätzen innerhalb (der kreisartigen Furchen) hinter einem (Priester), als auch