Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Purim und Parodie
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 3)
- Language
- German
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2*2 Purim und Parodie. Plünderung? ״Selbstverständlich“ (!) wurden diese Morde von Raub und Plünderung begleitet (Voss. Zeit. v. 23. Mai 1903). Bedurfte es einer besonderen Ermächtigung, jüdisches Eigentum zu schützen? Beriefen sich die Iiaubgesellen auch darüber auf eine vorgebliche Billigung der Regierung? Ich meine, man sollte jetzt mehr Gewicht auf diese Seite der Judenhetzen legen, weil sie auch nicht auf Fanatismus zurückzuführen ist1). Den Satz über die Beute hat der Verf. des Buches Esther sicherlich nicht einem persischen Festbuche entlehnt. Eigentümlich klingt es auch, wenn im Jew. Qu. Review XV, 275 das Purimfest als ein schlagender Be־׳ weis (striking proof) von babylonischem Einfluss angeführt wird, als ob es eine Tatsache wäre, und nicht eine Conjectur. Für die Juden blieb das Buch Esther ein Zeugnis von der Erfolglosigkeit aller Hamansprojecte neben de!: Unterdrückung der Pharaonen (״so wie man es unterdrückte, so vermehrte ca 3iehtt, Exod. 1, 12). Purim wurde daher im späten Mittelalter das Schlagworfc für die Errettung aus Calamitäten, und zwar schliesslich auch aus Gefahren, die nicht den Juden allein drohten, selbst durch Naturerscheinungen, in denen man allerdings eine Mahnung Gottes erblickte, so dass man nicht bloss ein ״Purimfest“ einsetzte, sondern auch einen Fasttag, nach dem Muster des ״Estherfastens“, vorangehen liess. Fasttage lagen allerdings dem verfolgten Juden näher als Festtage; das jüdische Speisegesetz förderte und erleichterte die alte Askesis auch den Bewohnern eines rauheren Klimas2); grosse Calamität-en spielten sich ohne ertreuliches Ende ab; Gedenkfasttage füllten allmälig alle Monate des Jahres. Einen Fastenkalender (des 2. Jahrt.) von beinahe 40 Tagen bietet Zunz, Die Ritus S. 127—30; dazu verzeichnet Simonsen (Mtschr. Bd. 38, 1874 S. 524—27) gegen 25;t), Fasten und Feste verteilen sich naturgeinäss, je 1) Ein Verzeichnis der Plünderungen wäre nicht minder belehrend als die Verzeichnisse von Auto da Fes. 2) Den Pythagoräern galten Enthaltung von Fleischgenuss und das״ Cülihat als Mittel gegen die Absperrung der Seele von den aetherischen. Kegionen. ״Telle est la ferme conviction des neo-pythagoriciens, particulierement des juifs pythagorisants des Esseniens (Joseph. Bell. Jud. II, 8, 12) et de ce Philon dont i’influence 86 tit sentir si longtounps dans la Philosophie grecque“ (Migr, Abr, 477, de Somn. 1I0S; Zeller, Phiios. d. Gr. V, 364); A. ßouche-Leclerq, Hist, de la divination, Par. 1879, I, 74. 3) Zum 25. Siwan habe ich notirt: Siena 1799, Rev. des J. V, 269; dieses falsche Citat weiss ich nicht zu berichtigen, — Den Irr-