Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 13)
- Language
- German
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262 Bi# Yorlesungon Harnacks über das Wesen des Christenthuma. Israel vom Joche der Fremdherrschaft befreiten und ihm im Frieden sodann Richter und Führer waren. Aus ihnen schöpften sie nicht nur religiös^ Ideen, sondern auch die Forderungen der Gerechtigkeit und der .gesotzliehen Gleichheit, welche sie in ihren Staatsverfassun״ gen ausgestalteten, und die von dort aus in die politischen Anschauungen Europas eindrangen.'.״Mauersteine aus Palästina* sagt ein geistvoller französischer Schriftsteller1), ״sind in dem Unterbau unserer neuen Gesellschaft eingefügfc, Die Revolution ist in mancher Hinsicht nur eine Anwendung der von Israel der Welt gebrachten Ideale gewesen, Das Reich der Gerechtigkeit auf Erden war Judas Traum* .... Man muss, um den Urquell von 1789 nachzuspüren, unter־ der Reformation, unter der Renaissance fortgraben; man muss über das klassische Alterthum und das Evangelium hinaus bis auf die Bibel, die Thora und die Pro״ pheten zurückgehen״. Dort sind auch, können wir hinzufügen, religiöse Vorbilder und Antriebe zu finden für die socialen Aufgaben, die unsere Zeit beschäftigen. Es war bezeichnender Weise eine der ersten gesetzgeberischen Tliaten der neuen Richtung, dass sie mit der Ausführung des Gebotes: ״es 8011 ruhen dein Knecht und deine Magd, wie Du“ grösseren Ernst machten. ״Nicht der Schutz des Eigenthums, sondern der Schutz der Menschheit* sagt der amerikanische Bodenreformer Henry George in seinem Vorträge über Moses — ״das ist der Endzweck des mosaischen Gesetzes. Seine Vorschritten wollen nicht den Starken helfen, Reichfcümer zu erwerben, 8:e wollen die Schwachen vor Ausbeutung und Unterdrückung schützen. Ueberall stellen sie Schranken auf gegen Selbstsucht und Habsucht*, Ihre weitausgedehnten Gebote der Wohlthätigkeit sollten nur ein Hilfsmittel sein gegen die in menschlichen Verhältnissen unvermeidlichen Fällen der Bedürftigkeit. Ihre socialen Ordnungen aber hatten das Ziel, einem jeden Einzelnen Selbstständigkeit und ein sicheres Besitzthum zu gewähren. Für dieses Ziel kämpften die Propheten. Ergreifend und zur Nachfolge anfeuernd schlägt aus ihren Worten der Eifer für das Recht und der 4warme Hauch der Liebe für die Armen und Bedrückten uns, entgegen. Das Glück Israels fanden sie darin, dass ein;) Anatole Leroy Be&uliea, Israel chez les natlons, p. 52.