Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829772-2884554--32077-2884632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christonthums. 259 Anschauung, die ihre religiöse Belehrung und Anregung fast ausschliesslich im Neucn Testamente sucht, die vielleicht noch, mit Harnack dem alten Testament, ״als Erbauungsbuch, als Buch des Trostes, der Weisheit und des Käthes, als Buch der Geschichte eine unvergleichliche Bedeutung für das Leben und die Apologetik״ zuschreibt1), aber in ihm nicht nur eine andere Religion, sondern auch eine andere Sittlichkeit findet, wie die christliche und aus ihm (las Eindringen eines ״inferioren, überwundenen Elementes״ in das Christenthum befürchtet, die deshalb den Versuch ab weist ״aus dem Evangelium ein concretos sociales Programm abzuleiten״, weil es ״verwirrend und unerträglich sei, die zahlreichen Lücken״, die man im Evangelium findet, durch alttestamentliehe Gesetze und Programme zu ergänzen.״ Und doch zeigt uns gerade Harnack2 *), wie unmöglich es ist, ohne diese Ergänzung auszukommen. Um zu beweisen, dass das Evangelium nicht5) die Askese predige, sagt er: ״diese behauptet den Unwert aller irdischon Güter an sich.!Dürfte man aus dom Evangelium eine Theorie entwickeln, so würde man nicht auf diese Lohre geführt; ״denn die Erde ist des Herrn und was darinnen ist״. Aber diese Worte stehen ja nicht in den Evangelien, sondern in den Psalmo n4). Und Harnack muss, bewusst oder unbewusst, zu dieser Entleimung aus dom Alton Testamente greifen, um seine Ansicht von dom Unwcrth der Askese mit den Worten des E van geliums in Einklang bringen zu können. Das Evangelium ist eben keine selbständige, in sich abgeschlossene und vollständige reJigiöse Lehre. Jesus konnte und wollte niemals eine solche geben. Er stand auf dom festen Grunde der religiosen Lehre und Ueberlieferung seines Volkes, die er nicht aufheben wollte, sondern durch seine Verkündigung als Messias und Bringer des Reiches Gottes erfüllen, und zu der er nur einige weitere, aus seiner Geistesart und aus verwandten Einflüssen geschöpfte, Lehren hinzugefügt hat. Ein Christenthum ohne die fe&te Grundlage des Alten Tea- D Das״ S. 117. a) S. 63. . «) S. 55. 4) 24, 1. 17*