Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christenthums. 257 sam gemacht, dass schon dom ersten Menschen im Paradioso dio Arbeit als Aufgabe angewiesen worden ist1 *). Ein nicht mit Arbeit verbundenes, ausschliesslich religiöser Betrachtung hingegebenes Leben, haben sie als oin solches bezeichnet, ״das zuletzt worthlos wird und das dio Sünde herboiführt“8). Solche Lehren über den Werth dor Arbeit, über die nützliche Verwendung der Güter, über dio Tugenden dos häuslichen und Familienlebens, übor die bürgerliche Tüchtigkeit und dio Vaterlandsliebe werden im neuen Testament vermisst3). Seine Bliclco sind nicht auf das kräftige, irische Lobon gerichtet, sondern auf die künftige himmliaeho Herrlichkeit. Die von ihm besonders gepriesenen Tugenden sind vorwiegend leidender Art, Abtödtung des Fleisehos, Entsagung der Güter, geduldige Ilinnahmo des Hobels, stille Beschaulichkeit. Wie sie einem abgeschlossenen Kreise ent> stammen, 80 wenden sie sich auch an einen engeren Kreis von Genossen, an besondere Stimmungen des Gomüthcs und Richtungen des Geistes. Dem entsprechend lehren auch dio kathol!*schon Kirchen, ״dass das eigentliche christliche Leben nur in dor Form des Mönchthums — das ist dio vita religiosa — zum Ausdruck komme; aber sie lassen ein minderes Christonthum ohne A8k080 als ״noch ausreichend“ zu ... . ״Dass dio volle Nachfolge Christi nur den Mönchen möglich ist4 *), ist katholi&che Lel1rett. Harnaclc sucht im Sinne dos Protestantismus diese Ansicht zu widerlegen und nachzuweisen, dass Jesus bei jenen seinen Lehren von bestimmten Verhältnissen gar nicht gesprochen, sondern nur das Zukunftsbild einer rein durch die Nächstenliebe und die innere Gesinnung geeinigten Gesellschaft im Auge gehabt habe. Aber dieser Nachweis ist ihm nicht gelungen. Er kann bei der Besprechung des Verhältnisses des Evangeliums zur Welt, oder dor Frage der Askese, nur darlegen, dass darüber innerhalb dos Christenthums dio verschiedenartigsten, ja geradezu entgegen gesetzte, Meinungen obwalten. Das Gleiche gilt bozüglich des Verhältnisses des Evangeliums zur Armut oder l) Spr. d. Väter 1, 10 Ab. d. Kabbi Natan cap. 11 mit Bezug auf 1 B. Mos. 2, 15. *) Spr. d. Väter II. 2. a) ,Vergl. d. Worte Buckloa u. Strauss A. גו. N. Gl. 65. 4) Harnack W. d. Chr. S. 51. HonMfticehrift, 47. J*hrffAng. 17