Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829772-2884554--32074-2884629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2£*() Die Vorlesungen Hurnucks iibor «las Wesen des Christenthums■. Anders urtheilten über den Werth der freiwilligen Armut die Schriftgelohrten. In einem Beschlüsse des Synhedrions in Uscha bestimmten sie, dass Niemand mehr als den fünften Theil seines Vermögens unter die Armen verthoiSen dürfte, damit er nicht selbst von fremder Güte abhängig werde. Die Nothwendigkoit eines solchen Be- Schlusses beweist, dass die Neigung, sein Vermögen au wohlttätigen Zwecken zu verschenken, in jenen Zeiten nicht selten gewesen ist. Wie weise• und gut aber dor Reichthum zur eigenen Freude und zur Wohltiiat für Andere verwendet werden kann, das lehrt uns in schönster Weise der Bückblick des verarmten Job auf sein Loben. ״Ich rettete den Armen, der zu mir flehte, die Waise, die keinen Annohmer hatte. Der Segen des Unglückliehen kam über mich und das Herz dor Witwe machte ich frohמ .״ Vater war ich den Dürftigen und die Rechtsacke des mir Unbekannten untersuohto ich, zerbrach das Gebiss des Unterdrückers und entriss ihren Zähnen den llaub״ .״Konnten meine Hausgenossen nicht sagen, wann wäre jemand an seinem Tische nicht satt geworden? Der Fremdling durfte nicht im Freien übernachten und meine Thiiren öffnete ich dem Wanderer I“1) Und das Salomonische Lied vom Biodcrweibe vorkündet nicht nur dessen Reichthum schaffenden Arheitsfieiss und Liebe zu den Seinige«, sondern auch ״ihre Hand breitet sie aus dem Armen, und ihre Hände ötreckt sie entgegen dem Dürftigen2״). Die Schilderungen dieses Liedee widerlegen auch allein schon die Behauptungen von der angeblich niedrigen Stellung der Frau bei den Juden, und dass erst das .Christenthum oder die Germanen deren Ehre und Würde gehober״ hätten. 7. Die ängstliche Sorge für den morgigen Tag buben die Rabbinen gleich Jesus als Kleingläubigkeit bezeichnet3). Aber sie haben nicht gleich ihm nur auf Gott verwiesen4)/ sondern in erster Linie auf die Pflicht der eigenen Arbeit und dafür die Psalmverse5) angeführt ״wenn du den Erwerb deiner Hände geniessest, Heil dir und wohl dir“. Sie haben geboten, ״liebe die Arbeit״ und darauf gufmerk- *) Hiob 29, 12 IT. 31.31 f. ״) Spr. 29, 10 ff. צ) Mechilta zu $ B. M. 16, 4. 4) Matth. G, 25 ff. 4) 128, 2 8. Midrasch Schocher tob. z. St.