Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 6)
- Language
- German
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Dio Vorlesungen Harnacks Uber das \Ve80n dos Christenthums. 255 hat Gott die Erde geschaffen, sondern dazu, dass sie bewohnt werde, hat er sie gebildet״ haben .sie die Ehe alseine heilige, von Gott go boten e.Einrichtung bezeichnet und gesagt: ״der Mann ohne ein Weib lebt ohne rechte Freude, ohno Segen und ohne Glück.“ Und ihrer Auffassung der Pflichten eines Mannes gegen seine Familie haben sie mit den Worten Ausdruck gegeben: ״Wer sein Weib Hobt wie sich selbst, sie ehrt mehr als sich selbst, wer seine Kinder auf den geraden Weg führt und sio verheiratet zur rechten Zeit, an dem bewährt sich der Schriffcvers : ״Du weisst, dass Friede ist in deinem Zolte, du schauest dich in deinem Hause um und vermissest nichts“1). 6. Es ist der Kreis, dem der I) ü m o n e n g l a u 1> e und die übermenschliche Auffassung des Messias entstammt sind2), dom Jesus auch dio Wertschätzung der Ehelosigkeit und der freiwilligen Armut entnommen hat, dor Kreis dor Essäor. Von ihnen sagt Joaophus Flavius*): ״Diese sind untereinander noch mehr als die andern durch Liebe verbunden. Die sinnlichen Vergnügungen meiden sie als Sünde und setzen die Tugend in Massigkeit und 15eherrschung der Leidenschaften. Die Ehe verachten sie, dagegen nehmen sie fremde Kinder auf, so lange sic noch zart und für das Lernen empfänglich sind, behandeln sie als ihre Angehörigen und prägen ihnen ihre Sitten ein“. Wie beim Eintritt in־ diesen Orden ein Jeder sein Vermögen der Gesammtheit abtreten musste, so sprach auch Jesus zu dem reichen Jüngling, dor ihn fragte, was muss ich tlnm, damit ich das ewige Loben orlangc, und der auf Jesu Fragen antworten konnte, dass er die Geboto Gottes gehalten und seinen Nächsten geliebt, wie sich selbst; ״Wenn du vollkommen sein willst, 80 gehe hin, vor• kaufe, was du hast und giob es an Arme, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, dann komme und folge mir. nach“. Und als dieser das nicht über sich brächte, sprach Jesus zu aoinen Jüngern : ״Wahrlich ich sage euch, ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen“. Und wiederum sage ich euch; ״Es ist leichter, dass ein Karneol durch ein Nadelöhr gehe* als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt“4). *) T. b. Jebamot 62 und Job 5, 24. 2) S. Monatsschr. 1902, S. 415. 3) Bell. Jud, II 8, 2—3. 4) Matth, 19, 16 ff. Marcus 10, 1 ff, Lucas 18, 18 ff.