Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 17)
- Language
- German
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Diis Judenthum im neuteatamontl. Zeitalter in ehristl. Darstellung, 247 Beigaben hinzugethan sind, welche für die aufgeklärten Forscher harte Nüsse bleiben, die sie vergeblich zu demateri alisieren, wie die Spiritisten sagen, sieh bemühen. In dem Ungeheuern Material der rabbinischon Littenitur liegt, oinc kolossale Welt der Wirklichkeit ausgebreitet, die jedoch mit dem reinsten Idealismus durchsetzt ist, aber man widmet ihrer Erforschung nicht einmal die Sorgfalt, die man den Trümmerfeldern zuwendet, aus denen man entlegene Culturen auszugraben sich bemüht, Höchstens forscht man nach einer morschen Stelle oder 'nach einem auf der Wetterseite hefindliehen und deshalb bröcklig gewordenen Stein, dergleichen freilich in einem Luftschloss fehlt, aber selbst in dom grössten Palast, der für das Bewohnen taugt und bewohnt wird, mit der Zeit sich einstellt. In diesem Verfahren scheint die Arbeit B.’s wenigstens die Absicht einer Wendung zum Bessern anzudeuten, was sehr zu wünschen wäre. In Bezug auf das übrige Quellonmaterial, das dio hellenistische Litteratur umfasst, kann ich midi kurz fassen. Demselben wird in den christlichen Darstellungen, von denen hier die Bede ist, und so auch von B., eino unverdiente Bedeutung beigelegt. In Wahrheit haben wir cs liier grösstentheils mit Schriften zu thun, die man als Outsiders bezeichnen kann : sie sind nicht aus den inneren, treibenden Säften des Judenthums hervorgegangen und haben auf die Entwicklung desselben keinen .Einfluss geübt. Dies erklärt, dass da, wo eine hebräische Urschrift vorhanden war, dieselbe verloren gegangen, und dass die griechische Ueborsetzung zumeist im christlichen Sinne überarbeitet ist. Wo sich der Verfasser selbst der griechischen Sprache bediente, da hat ihn schon das Idiom mit sich in eine fremdo Gedankenweit fort und yon dem Kern des Judenthums hinweggerissen. Die hellenistische Litteratur bietet deshalb eine unyerhälfc11i8mässig grosse Anzahl von Bruchstücken dar, die fremde Autoren aufgelesen und ihren Werken eitiverleibt haben, wie Küstenbewohner angeschwemmtes Strandgut auflesen. In diesem Lose liegt ein unanfechtbares Urfcheil der Geschichte. Wäre in der hellenistischen Litteratur die unverfälschte jüdische Gedankenwelt zur Geltung gekommen, so hätte das Judenthum sie nicht fallen gelassen, sondern ihrer und der griechischen Spräche zu seiner Erhaltung sich bedient, wie es in einem späteren Zeiträume des Arabischen und der in dieser Sprache vorhandenen Litteratur