Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 16)
- Language
- German
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246 Das Judenthum im neutestamontl. Zeitalter in christl. Darstellung. erstatter beifallen, der damit etwas Neues, Jesu Eigcnthüniliches zu sagen glaubte. Da die Bemerkung harmlos und 1)1088 formaler Natur ist, so besitzt sie für die vorstehende Behauptung eine um so grössere Beweiskraft. Das Gleiche gilt von der Stelle Matth. 7, 29: ״Denn er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrton״. Harnack (Wes. d. Christth. S. 31) fügt hinzu : ״und Pharisäer‘‘ und unterstreicht das Wort ״gewaltig“, um es als Antithese zu seiner unmittelbar vorher aufgestollten Behauptung über das jüdische Lchrwesen benützen zu können : ״Schwächlich war alles geblieben, und weil schwächlich, darum ־schädlich“. Wie ״sch׳wach lieh“ die jüdische Lehre war, zeigt der Riesenkampf des Judent-huras gegen die Römer, zeigt seine von den Einflüssen dev Heidenwelt nicht unterwühlte Selbständigkeit, sein reiner, nicht angefaulter Monotheismus. Nimmt man, unbeirrt von blossen Redensarten, die zuletzt angeführte Stelle aus Matthäus mit der vorher angeführten über die Gewohnheit Jesu, sich der Gleichnisse zu bedienen, zusammen, so ergiebfc sich, dass der ״gewaltige“ Eindruck seiner Rede von den letzteren herrührte und die Unterscheidung ״nicht wie die Schriftgelehrten“ konnte eben nur von einem mit der Vortragsweise■ derselben nicht Vertrauten gemacht werden. Denn auch der rednerische Eindruck der Schriftgelelirten wird im Talmud oft durch glänzende Bilder ausgemalt;, so dass 2. ß. von dem Vortragenden gerühmt wird, sein Mund habe Perlen ausgestreut, oder von den seinem Munde entströmenden Hauche sei der darüber hinfiiegende Vogel verbräunt worden u. dgl. xn. Es erscheint also, wie aus dembisher Gesagten zur Genüge hervorgeht, eine richtige Dar- Stellung des vorchristlichen Judenthums von der voraussetzungslosen Erforschung des halaehischen und haggadischen Scbrifttkums, von der Erkenntnis ihres Zusammenbanges, wie von dem tiefen Einblick in das wirthschaftliche, religiöse und sittliche Leben, das jenem Schriftthum seine Spuren eingedrückt hat, durchaus untrennbar. Diesem wissenschaftlichen Erfordernis zu genügen, ist in den christlichen Darstellungen des vorchristlichen Judenthums noch keine Anstrengung " gemacht worden. Aus den achtundsecbzig Kapiteln der synoptischen Evangelien sammelt man Anklage* material gegen das Judenthum und kann doch nicht leugnen, dass ihm allein die Fundamente der in den Envangelien autgerichteten idealen Weltordnung entnommen sind, während