Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 15)
- Language
- German
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Das Judenthum im neutostameiitl. Zeitalter in chrlstl. Darstellung. 245 vielmehr die grösste Aufmerksamkeit gewidmot und das weite Gebiet der Hal&cha ausgebildet, und auf dem, hier testgelegten Fundamente fussend, vermochte es jeden Ansturin abzuschlagen. Wie aber die Wirklichkeit mit ihren Nothwendigkeiten nicht poetisch ist, so sind es auch die bestimmten Forderungen der llalacha nicht. Da war es denn die Ilnggada, die über der harten und unebenen Wirklichkeit eine weiche, ausgleichende Humusschicht angelegt und zugleich den Sonnenschein der Ideale darüber geleitet hat. So entstand uatcr den zwiefachen Bedingungen der Fruchtbarkeit jener üppige Blumenflor geiniithvoller Gleichnisreden, geistreicher Applicationon, idealer Anregungen, sinniger Merkworte, witziger Pointen, die man auch in den ltedcn Jesu wieder findet. Es ist deshalb völlig unrichtig, wenn O. Iloltzxnann (Religionsgcsch. Vortr. tt. 06) von den letzteren sagt: ״So war das freilich lür die Pharisäer eine neue, ihnen bisher fremde Gedankenwelt von unendlicher Weite und Tiefe״ — eine Bohauptung, die, wio sie es verdient, durch den Schlusssatz: ״Aber zum Widerspruch lag auch für sie kaum ein Grund voru sich selbst wieder aufhebt Was die Evangelien von den Reden und Aussprüchen Jesu enthalten, das findet sieh wörtlich oder ähnlich in der XIaggada, die. Evangelien sind nur den Ecken und Kanten der Wirklichkeit aus dem Wege gegangen, sie haben sich von der Berührung mit den harten Nothwendigkeitcn des Lebens ferngehaltcn und sie mit einer blumigen Oberfläche verkleidet, weshalb man die Frage aufzu׳werfen berechtigt ist, wie viel von der Wirkliehkeit jemals evangelisch, oder wie viel von dom Evungelium jemals wirklich geworden ist, aber auch die blumige Oberfläche ist ursprünglich haggadiseber Anbau, jüdische Culturfläche. Dass diese Thatsache den Verfassern der griechischen Evangelien nicht mehr bekannt waiy wie ihnen überhaupt eine nähere Vertrautheit mit dem Judenthum abging, habe_ich bereits hervorgehoben, sie wird aber gerade durch einige evangelische Bemerkungen über die. Beredtsamkeit Jesu bestätigt. Den Satz Matth. 13, 31 (vgl. Mark. 4, 33, 34): ״ Solches alles redete Jesus durch Gleichnisse zu dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen“ kann kein auch nur einigermassexx mit dem jüdischen Vortragswesen Vertrauter geschrieben haben. Etwas so Selbstverständliches zu bemerken, konnte nur einem Bericht-