Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 13)
- Language
- German
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Das Judontkum im neutostainentl. Zeitalter in chriatl. Darstellung. 243. haben die Rabbiner!, die larigo nach dem Abschluss des Talmud lebten, davon Kenntnis erlangt und sie für die Nachwelt erhalten. (Maftoach des Gaon Nissim cd. Goldenthal, Einleit.) Die Ilaggada hat aber auch einen grossen Vorrat!! werthvollen Materials für die Exegese des alten Testaments aufbe׳wahrt, \Vorterklärmigen, syntaktische BemerUungcn, traditionelle, für das Textverstandnis wichtige Anschauungen (vergl. meine Notizen, Monats8c.hr. 1880, S. 84 ff).!Beispielsweise mache ich hier auf das Schluss״ kapitel dos Propheten Zacliarja aufmerksam. Cornill (Der israel. Prophetism. 8. 166 ff) bezeichnet dieses Stück als ״den tiefsten Tiefpunkt der prophetischen Literatur Israels“ und fährt, den Inhalt skizzierend, fort: ״Wohl werden die dann noch übrigen Heiden sich zum Gotte Israels bekehren: aber wio zeigt sich ihre Bekehrung? Dass sie koscher essen und alljährlich zum L&ubhüttcnfest wallfahrten. Es ist nicht möglich, den Geist eines Arnos und Hosen, eines Jesaia und Jeremui zu einem schlimmeren Zerrbild© zu verunstalton, als es hier geschieht״. Hier ist über dem- Nobonsächlichen das Hauptsächliche übersehen und der Sinn des Ganzen entstellt. Weshalb sollten die Völker gerade am Laubhüttenfeste nach Jerusalem wallfahrten? Die Ilaggada giebt den an diesem Feste darzubringenden Opfer von siebzig. Farren die Deutung, es sei für die siebzig Völker, will sagen, für die gesammto Menschheit, bestimmt gewesen (Sukka 55b.). Danach liegt dem Laubhüfctonfeste ein universalistischer Gedanke ־־zu Grunde, der eich ohne Frage von altersher fortgepflanzt hat, und den Zacliarja als bekannt voraussetzen durfte. Diese Auflassung ist auch in einer anderen Ilaggada (Aboda sara 3 a) enthalten, die durch das reine Hebräisch, in dom sie vorgetragen wird, den Eindruck hohen Alters macht, und worin den Völkern zum Zeichon ihrer Bekehrung anheimgegeben wird, Hütten zu bauen. Jedenfalls galt die Hütte als ein universalistisches Symbol, was man fosthalten muss, um das Schlusskapitel Zacharjas richtig zu würdigon, und 80 liegen manchem Bibelworte Gedanken und“ An- Behauungen zu Grunde, die erst in der Haggada näher entwickelt werden. Sie enthält für manche Partien des alten Testaments die verständnisvolle, belebende Begleitung und ist so alt; wie diese. Ein ähnliches Verhältnis besteht zwischen dor Halacha und Ilaggada. Wie die biblischen Wallfahrfcsfeste, denen 16*