Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 3 · p. Seite 242

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 3
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 242 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829772-2884553--32058-2884615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

242 Das Judonthum im neutestamentl. Zeitalter in christl. Darstellung. ihrer hebräischen oder aramäischen Vorlagen sprechen.1) Es kam ihnen auch nicht darauf an, ein der Wirklichkeit entsprechendes Bild vom Judenthum zu entwerfen. Das Juden thum wird von dem Evangelium nur als Folie benutzt, zu diesem Zwecke genügte es, von den Vertretern und Führern des Judcnthums, die ohnehin nur als Statisten auftreton, bloss summarisch zu reden. Dadurch aber gehen die Evangelien des Charakters einer Quelle für die Darstellung des vorchristlichen Judcnthums verlustig, und die Aeusserung Baussets (S. 117): ״Die Grundtendenz, in welcher sich die Moral des Pharisäismus bewegte, ist dennoch von Jesus richtig gezeichnet“, verliert, da sie sich bloss auf die Evangelien stützt, jede Berechtigung (vergl. auch S. 157). Will man sich überhaupt über den Pharisäismus informieren, .so muss man ihn aut seinen! eigenen Gebiete bei der Arbeit sehen. Das ist die Ualacha, sie bildet die eine Seite seiner Entfaltung, in ihr, die in den christlichen Darstellungen mit vornehmthuender Ignoranz behandelt oder vielmehr nicht behandelt wird, liegt die das wirkliche Leben ordnende und gestaltende Kraft, wodurch das vorchristliche Judenthum sich behauptet hat, und wovon noch weiter im Zusammenhänge mit der anderen Seite der Entfaltung des Pharisäismus die Rede sein wird• Diese, das von der Halacha nicht zu trennende Complemcnt derselben, ist die Haggada. Sie geht ebenfalls sehr weit, bis in die älteste Geschichte des Volkes Israel zurück, wie die Gleichnisreden — das Mark der Haggada — im Alten Testament beweisen. Es hat eine haggadiscke Tradition (מסורת אגדה) gegeben, wie es eine halachische gegeben hat (vergl. Megilla 10b, Sota 34b, Wajikr. r. c. 18, Peeik. r. c. 17, c. 21; 13er. r. c. 99 u. sonst). Sie hat ohne Zweifel historische Daten aufbewahrt, aber auch alte Sagen und moralische Erzählungen. Der Talmud bezieht sich auf sie, ohne eie ausführlich wiederzugeben, sie haben sich also mündlich fortgepflanzt und nur auf diesem Wege l) Ich weiss nicht,' ob schon bemerkt worden ist, dass der Satz Matth. 7, 6: ״Kure Perlon sollt ihr nicht vor die Säue werfen“, dem talmudischen Sprichwort שקילא טיבלתיך ושדי» אחיזרי (Beza 29b u. sonst) entspricht. Man hat also ״ חיזריDornen* mit .״ חזיריSäue״ verwechselt. Der Schluss des Verses bezieht sich auf den Anfang und die das. erwähnten Hunde, denn Säue sind keine reissenden Thiore. Vrgi. übrigens die Abhandlung über die Logia des Matthäus in meinen ״Keligionageschichtlichen Studien״.;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.