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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 3 · p. Seite 240

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 3
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 240 (sequence 10)
Language
German
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240 Das Judentlium iin neutestamentl. Zeitalter in christl. Darstellung. und reiches, mächtig pulsierendes Leben muss doch gerade dem vorchristlichen Judentluim innegewohnt haben, wenn es imstande war, sich in seiner Eigenart, keineswegs ״Abge8ch!os8enheit״ (B. S. 184), inmitten der heidnischen Welt und gegenüber den Aufsaugungsversuchen derselben zu behaupten. Eine solche, alle Kennzeichen eines lebendigen, ja von Leben strotzenden Organismus aufweisende Erscheinung erfordert schon um ihrer selbst willen vor dem Versuche sie darzustellen, vollständige wissenschaftliche Durchdringung, indessen macht sie in den christlichen Schilderungen den Eindruck eines Leichnams, dessen Zerstückelung und Zergliederung nur beweisen soll, dass man es wirklich mit einem Leichnam zu thuu habe — ein Verfahren, das sogar mit den in jenen Schilderungen selbst neuerdings abgegebenen Erklärungen im Widerspruch steht, dass das Judcnthuin dem Evangelium ״vorgearbeitet44 (B. 357) oder, ״dass sich schon.das vorchristliche Judenthum auf der Bahn aus dem Satzungswesen heraus dem Ziele einer einheitlichen Lebensgestaifcung entgegenbewegt habe0) ״. Iioltzmami, Religion»- gesell. Vortr. 55). Kein Historiker würde sich getrauen, eine Geschichte Englands zu schreiben, ohne sich in die Geschichte seiner Verfassung und Gesetzgebung zu vertiefen, aber eine Darstellung des vorchristlichen Judenlhums soll möglich sein, wenn man auch den Talmud, der doch die Weg spuren seines Entwickelungsganges enthält, links liegen lässt. Selbst die einseitige Bevorzugung des allerdings leicht zugänglichen Tractates Aboth ist ohne Durchdringung des gesummten talmudischeu Materials für die Erkeuutniss dee vorchristlichen Judenthums werthlos, wie schon Z. Frankel vor fünfzig Jahren in der Abhandlung ״Ueber den Lapidarstyl der talmudischen Historik“ dargethan" hat, und die soeben aufgestellte Behauptung kann nicht besser bekräftigt werden, als durch die Thatsache, dass B. in diesem Traktat weiter nichts als ״eine Reihe moralischer Sentenzen44 erblickt. Als ob nicht hinter diesen Aussprüchen die ganze Personlichkeit und Lebensarbeit ihrer Urheber ausgebreitet wäre. Jene, erhalten erst durch die Erkenntnis und Darstellung die 8er ihre richtige Beleuchtung. Ist man aber erst auf den geschichtlichen Hintergrund aufmerksam geworden, von dem die Sentenzen des Tractates Aboth sich abhebeu, und auf welchem die jahrhundertelange geistige Bewegung des jüdischen Volkes sich spiegelt, so

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