Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 8)
- Language
- German
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238 Das Judonthum im nuuiestamentl. Zeitalter in cbristl. Darstellung. zu sprechen, auf die Bemerkung, dass allein in dem dieses Gebiet behandelnden Mischnatractat Gittin (4, 2 und 5, G) drei ältere ehcrcchtliche Bestimmungen angeführt und abgeändert werden, was beweist, dass man von jeher dieser Angelegenheit gesetzgeberische Obsorge gewidmet hat. Nach Massgaho dieser und zahlreicher ariderer Stellen wird man in die Angabe <1*0? *M, Pea 2, 6, laut welcher eine bestimmte Entscheidung bis in die Zeit der Propheten und weiter xuriickgeiührt wird, vernünftigerweise keinen Zweifel setzen, wie denn auch nicht zu bezweifeln ist,• dass es mit den Anordnungen (תקנות) des Hohenpriesters Jochanan (M. Maasser schcni 5, 15), den Anordnungen Esra’s un<l ähnlichen Traditionen im Allgemeinen seine Richtigkeit habe. Dies ist ja auch natürlich. Mit den Reden der Propheten konnte das Gemeinwesen nicht verwaltet werden : sie sind den Klassikern anderer Völker zu vergleichen, in ihnen macht sich das Gewissen des Volkes vernehmbar, g031angt der Volksgeist zur höchsten Blütlic, aber daneben musste es doch Männer geben, die |ur die Bedürfnisse des Staates, für Recht und Ordnung sorgten und die Leitung des Gemeinwesens praktisch handhabten. Um nur von der Neugründung des Reiches nn/.ulangen, so liegt: es auf der Hand, dass es •in den zwei Jahrhunderten zwischen Esra und den Makkabäern an solchen Männern nicht gefehlt haben kann. Der kurze chronologische Bericht des Tractat.es Aboth fasst «io unter der Bezeichnung der ״grossen Synagoge׳״ zusammen. Wir erfahren darüber nichts Näheres, was jedoch nicht }lindern kann, anzunehmen, dass die Persönlichkeiten, welche mit diesem Sammelnamen bezeichnet werden, oben so sicher existiert haben, wie ihre im Lichte der Geschichte stellenden Nachfolger. Es ist ferner gewiss, dass diese Männer auf dem Boden der Thora standen u11dv bei ihren Massnahmen vom Geiste derselben sich leiten Dessen, weshalb siö Soferim genannt werden, aber von ihrer Thätigkeit als von ״der in den rabbinischen Schulen geleisteten. Arbeit der Gesetzesauslegung“ reden, wie B. timt, hoissfc dieselbe vollständig verkennen. Diese Charakteristik mag auf die Talmudsehulen des Mittelalters passen, in welchem die Jaden vöra der breiten Strömung des öffentlichen Lebens abgeschlossen waren. Aber es ist doch mehr als naiv, Männer wie Simon den Gerechten, Jose ben Joöser, Simon ben Schetach, Jochanan ben Sakkai u. A, sich als in ihr Studium einge«