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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 3 · p. Seite 236

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 3
Article
Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
Date
1903-01-01
Page
Seite 236 (sequence 6)
Language
German
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236 Das Jadenthum im neutostamentl. Zeitalter in chiistl. Darstellung. Vr An die subjectiven Voraussetzungen, mit welchen die christlichen Darsteller des Judenthums der neutestamentlicben Zeit geben, reihen sich die objectiven, die sich auf das Quellenmaterial beziehen und eine unrichtige Classificierung, Bcwerthung und Behandlung desselben zur Folge haben, wa'8 natürlich zu falschen oder schiefen Ergebnissen führen muss. Hier ist eine Diorthose äusserst nothwendig, die aber im Rahmen eines Aufsatzes, wie des vorliegenden, nur in kurzen Zügen gegeben werden kann. Sprechen wir zunächst von der rabbinischen Litteratur. B. sagt S. 41 : ״Das früheste Erzeugnis des rabbinischen Judentums, die Mischna, d. h. die auf älteren Arbeiten fassende, um das Jahr 200 erfolgte Codification der in den rabbinischen Schulen geleisteten Arbeit der Gesetzesauslegung, bietet uns für unsere Zwecke wenig Ausbeute. Sie enthält fast nur trockenste Auslegung des Gesetzes in allen seinen. Details. Immerhin liegt hier werthvolles Material für die äussere Geschichte des Gottesdienstes und der gottesdienstliehen Organisation des jüdischen Volkes vor. Ein Tractat ist für uns direct wertvoll, die Pirke Aboth. Er enthält eine Reihe moralischer Sentenzen, deren teilweise unsrer Zeit ungehörige Urheber fast sämtlich mit Namen bezeichnet sind“. Ferner S. 42: ״Zur Mischna kam in den folgenden Jahrhunderten neuer Stoff hinzu. Die einzelnen Sätze der Mischna wurden von neuem commentiert. Es entstand die Gem&ra und aus Mischna und Gemara der Talmud“. Dieser widerspruchsvollen und unklaren Charakter!- sfcik eines 80 umfangreichen Litteraturgebiets seien nur wenige Worte gewidmet. Einmal soll die Mischna ״wenig Ausbeute“ bieten, dann enthält sie wieder ״wertvolles Material6 , und der Traktat Aboth ist sogar ״direct wertvoll“. Die Bezeichnung ihres Inhalts als ״trockenste Auslegung des Gesetzes“ ist kein historisches Werfchurtheil. Jedes 1 itterarische Product eines Zeitalters ist für die Erkenntnis desselben von Werth, es mag uns trocken erscheinen oder nicht. Was soll aber mit der Behauptung gesagt sein, dass die einzelnen Sätze der Mischna ״von neuem“ commentiert wurden f Wo ist der ältere Commentar? Endlich ist zu bemerken:, dass Gemara und Talmud promiscue gebraucht werden, jedenfalls kann man nicht sagen, dass dieser aus jener — und der Mischna — ״entstanden“ ist•

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