Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Nomos
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 16)
- Language
- German
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Dar Nomos in philonischor Beleuchtung. 229 Gegenseitigkeit bei dem einander zu Leistenden erinnert werden. Weiter gewährt das Gesetz den Thiorcn auch Ruhe. Diener sind( doch von Natur frei. Nach Naturgosotz ist kein Mensch Sklave, das vernunftlose Tier dagegen, indem 08 auf Gebrauch und Dienst der Menschen eingerichtet ist, hat den Rang von Sklaven. Dennoch ob es auch für den Herrn Lasten und Strapazen zu tragen hat, erlangt es für die Subbatho für sich Erholung, selbst der Stier, für das Notwendigste und Nützlichste im Leben geschaffen, zur Saat, wenn die Erde dazu vorbereitet ist, zur Reinigung der Frucht, wenn die Garben heimgebracht sind, auch er wird da ausgespannt, gleichsam mitfeiernd den Geburtstag der Welt, so geht durch alles die Heiligkoit desselben hindurch. (II, 283 Md) Gewiss sind Keime und Anfänge solcher Auffassung dor Sabbathinstitution bereits im biblischen Schrifttum da, sie lassen sich herauf vor- ” folgen bis in den Mosaismus. Die Ilolegstellon dafür sind nicht bloss Deut. 5, 14 bei der Wiederholung des X. Wortes, auch Ex. 23, 12, dass Ruhe finde dein Ochs, dein Esel, und sich erholen kann der Sohn deiner Magd und der Fremdling. Es ist namentlich der schwungvolle, für die Fortentwickelung des Judentums überaus fruohth&r gewordene Deutoro-Jesaia, der den Gedanken von socialer Institution beim Sabbat auf״ gegriffen und ihm, wie bekannt, Ausdruck gogoben in dom programmatischen Capitel 58 des Buches Jes. ״So du nennst den Sabbat eine Lust, den gottgeheiligten Tag ehrest״, wozu Nachmanides bei Gelegenheit des Sabbatgeboca Ex. 20, נ) Es dürfte hier dor Ort sein, auf eine Anregung, etwas näher oinzugehen, so weit das im Vorübergohon geschehen kann, dio Lazarus in dom erwähnten Buch § 180 giobt, indem or auf die Gleichheit (ins Grund* godankens bei Aristoteles und dom Mosaismus in Bozug auf Müsse hin* woist. Audi Aristoteles habe derselben bekanntlich als Bedingung geistiger Entwickelung grosses Gewicht beigelegt. Dio Vergleichung, meint L., sollte einmal wissenschaftlich ausgeführt werden, und zwar mehr um dor Verschiedenheit der Folgerungen willen hoi Beiden. Er selbst macht auf den Unterschied aufmerksam, dass Arist. in Consoquenz der Forderung der Müsse für den Herrn das Institut der Sklaverei rochtfortigt, dor Mosaismus dagegen den Sabbat zu einem allgemeinen Kuhetag gemacht hat, wenn er aüch nicht gerade und nur deshalb — darin geht L, zu weit — die Müsse vom Herrn fordert, damit der Knecht einen Kuhotag habe; worin weiter aber dieser Unterschied seinen Grund iiabon mag, ist auf dio Grundverschiedenheit jüdischer und griechischer Weltanschauung zurückzugehen. Das Princip allgemeiner Nächstenliebe, auf welchem alle Socialethik und also auch der Sabbath als sociale Institution beruht, ist einmal dom griechischen Geist fremd geblieben.