Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 10)
- Language
- German
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162 Der Streit um den Moreh des Maimonides in Posen. wie Sehliramel Strassnitz, die Beiden, die Joseph nennen und seinen Ruhm als den eines grossen Mischnahkenners und tiefgründigen Talmudisten verkünden, waren nicht nur leichtgläubige Schwärmer, sondern zugleich von der allein selig machenden Kabbaiah des Isaak Lurja so fascinirt, dass sie selbst den Mose Corduero und sein kabbalistisches System nicht gelten lassen wollen und in demselben Brief, in welehern sie Josephs Lob singen, von dem Studium der Cordoworischen Schriften leidenschaftlich abraten. Wurde ja die Mi8clmah selbst zum Gegenstand der Mystik, und gerade damals wurde sie in den Kreis kabbalistischer Vision gezogen, wie dies der Inhalt der rätselhaften und wahrscheinlich untergeschobenen Schrift מגיד מישרים bildet. Aus derselben erfahren wir, wie der Geist der Mischnah, ein tannai tisch es Daimonion, dem Joseph Karo, dem bekannten Verfasser des שולחן ערוך, am Freitag des Abends zu erscheinen pflegte und ihm mystische Eröffnungen zweifelhaften Wertes gemacht hat, wie sie dort zu Ie8c11 sind; fast scheint es, als wenn die Mischnahstunden des Sabbathabend im Hause des Joseph Aschkenasi den Anstoss zur Entstehung dieses Schriftwerkes oder zu derartiger Sagenbildung gegeben hat* 1). Joseph hätte auch schwerlich bei den Kabbalisten Safet’8 solche Geltung erlangt, wenn sio nicht ihn selbst als kabbalistischen Adepten angesehen hätten. Auch wenn er zu Safet in dieser Richtung, gewarnt durch dio Vorwürfe jener Posener Flugschrift, sich einige Zurückhaltung auferlegt haben sollte, so bleibt es jedenfalls charakteristisch, dass der erbitterte Widersacher .des Maimonides der anerkannte Freund des Isaak Lurja, des Ri ha-kadosch, gewesen ist. Joseph scheint nicht alt geworden zu sein. Da ihn sein Gegner 1559 als jungen Menschen behandelt, kann er keineswegs erheblich älter als 30 Jahre gewesen sein, mag mithin um 1529 geboren sein; 1582 war er aber schon gestorben, er ist also gegen 53 Jahre alt geworden. Sein Posener Antagonist, der Verfasser der polemisehen Flugschrift, hat wol Israel geheissen2) und hat ausser- ־ *) Gleichviel ob man den Kern des מניד משרים für echt, oder was sehr wahrscheinlich ist, das Ganze für gefälscht erklärt, es ist schliesslich nichts Anderes, als eia etwas dramatisch zugestutztes Stück ■aus der Sagen geschickte Isaak Luija’s. ף Geht aus den Worten hervor; חל בצו בני יעלב ושמעו אל ישראל 1 .צחקו י יהתלו בחמור הגדול חזה