Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Stroit um den Moroh des Maimonidos in Posen. 157 fundon, er kehre sie daher gegen Autoritäten, wie Maimonides u, A., um der ungebildeten Masse dadurch zu imponiren. Wie weit׳־ wir dem zwar redlichen, jedoch leidonselmitlieh heftigen Polemiker, der sieh zu persönlichen AumIä 11011 hinreisson lässt und selbst Familienklatsch nicht scheut, in allem glauben dürfen, ist schwer zu entscheiden. Damit aber scheint es seine Richtigkeit gehabt zu hai>e!1, dass nämlich die Seele aller Angriffe auf Maimonides, der intellektuelle Urheber dos ganzen Streites gegen die wissenschaftlichen Studien — der Schwiegersohn des Überrabbiners, Joseph, gewesen ist, gegen den sich daher die ganze Wucht der Polemik und der Abwehr richtet, der auch direct von der Streitschrift apostrophirt wird. Wiewol dieser Joseph damals in noch verhältnissniässig jungen Jahren stand1 2), scheint er sich doch bereits als bedeutenden Kopf und kenntnissreichon Talmudisten erwiosen zu haben, denn sein Gegner verrät unzweifelhaft einen gewissen Respekt vor ihm und hütet sich durchaus, ihn als ״E80Itt zu bezeichnen. Es ist geradezu charakteristisch, wie der Polemiker dieses Schm äh wort, für den Oberrabbiner ausschliesslich reservirt, während er dessen Schwiegersohn Joseph ständig als Thoren (סנל) oder als beschränkten Kopf (חסר דעה> titulirfc, und, um seine Gefährlichkeit anzudouten, ihm auch bisweilen das schmückende Beiwort eines ״ שורeines Ochsentt im tahnudisehen Sinne beilegt, so dass an der blossen Titulatur sofort zu erkennen ist, wer mit ihr gemeint wird. Joseph war ein einseitiger fanatischer Talmudist und von grundsätzlicher systematischer Feindseligkeit gegen Maimonidos, Er vorbreitete im Poseuer Ghetto, dass Maimomden in seinen letzten Tagen über seine philosophische Schriftstellerei tiefe Reue empfunden und seine Veröffentlichungen schwer bedauert habe3). Andererseits erklärte er, dass im Moroh kein Kapitel vorhanden Bei, das nicht ausgesprochene Ketzereien enthielte. Dem Maimonides habe es am rechten Glauben gefehlt, weil 1) Das geht nicht bloßs aus dem Ton hervor, der gegon ihn angeschlagen wird, sondern wird ausdrücklich ausgt .[irochou: ואיך יבין אי כ נער קטן שלא כלו לו חדשיו חסר דעה כמוך היום וכר« 2) Der erste, der Aehnlichos behauptet, in Verbindung freilich damit, dass Maimonides in seinen alten Tagen sich der Kabbalah angeschlossen habe, ist 8chem tobh Ibn Gaon in seinem סגדל עוז; vgl. Meir Ibn Gabbai מראות אלקים T. I, eap. 13.