Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 Dor Stroit um den Moreh des Maimcnidos in Posen. stellen will, um ilim in’s Gesicht seino thörichton Aeusserungen zu wiederholen. Er habe über Bücher don Stal) gebrochen, die er gar nicht kenne; wenn überhaupt, habe er sie nur oberflächlich gelesen und nicht Vorständen, er sei daher gur nicht im Stande, sie zu beurtheilen1). Ks sei ferner ganz ungehörig, dass er vor der Volksmasse die Verbrennung des Talmud als Folge der Drucklegung des Moreh bozeichnet habe; das Volk werde daraus ungünstige Schlüsse nicht für den Moreh, sondern für den Talmud ziehen. In der That sei daraufhin an demselben Tag, an dem er dies gepredigt, unter der Menge bekannt und in Erinnerung gebracht worden, dass schon vorher einmal in Frankreich der Talmud demselben Feuerbrand anheiingefallen war, den kaum 40 Tage vorher die Gegner des Mai monides gegen den Moreh entzündet (1242)״ der erstero, wie der. letztere wurde auf derselben Stelle verbrannt, und während die Asche dos Moreh noch dalag, hatte sich die Asche des Talmud mit ihr gemischt. Wessen Geistes Kind aber ist nun gar ein Lehrer, der behaupten könne, dass Aschniodai, der König der Schodim, gestorben wäre, und dass die Zauberer in den neuen König sich noch nicht zu schicken wüssten! Wer solche Anschauungen zum «besten geben könne, der ist ein Einialtspinscl, ״ein sehr grosser Esel,* es ist eine Sehmach Tür die Juden Grosspolens, ״einen solchen Eseltt als ihr geistliebes Oberhaupt anerkennen zu müssen. Er scheine gar nicht zu wissen, dass man" auch nach rabbinischen Begriffen zwischen Zauberer und Sehedimwerk unterscheiden müsse2).. Es sei überhaupt selbst um sein talmudisches Wissen nicht auf's Beste bestellt. Er verstünde sich nur auf die Reklame; darum sei es ihm gelungen, sich das Renommee eines grossen Talmudisten zu verschallen und nach dem Tode seiner Frau eine sehr reiche Witwe aus fernen Landen, wo man ihn nicht näher kannte, heimzuführeu, In den früheren Gemeinden, in denen er gewirkt, habe er beständig Streit und Zank angestiitet; hier, in Posen, wo man sich friedlicher Gesinnung befleisse, habe er für seine Streitsucht kein Feld ge- *) Der Pamphlet!8t verbreitet sich dabei ebenso eingehend wie verständnisvoll zu Gunsten eines Studiums der heil. Schrift, wie der wissenschaftlichen Bücher. Man bedürfe solcher Kenntnisse teils zur Abwehr gegen feindliche Angriffe, teils zur Würdigung und Vertiefung des jüdischen Qlauhona. J) Vgl. Sanhedrin 87 b.