Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 3)
- Language
- German
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Dor Stroit um den Moreh dos Maimonidos in Posen. 155 in Venedig durch den Druck (1551) allgemein zugiinglioh gemacht wurde, won?1 der Talmud bald darauf (1553) in dem grössten Th eil Italiens dom Feuer überliefert wurde. Mio frommen Lehrer Oesterreichs luitton ihro Verachtung gegen derartige Schriften ostentativ bekundet, sio hätten dieselben als Fussteppicho odor als Sitzkisson benutzt, sie zum Tiioil auch öffentlich verbrannt. Wenn die Zauberer heute so wonig Glück haben, dass man dem Glauben an sie abgeneigt wäre, so sei dies damit zu erklären, dass Aschrnodai, der bisherige König der Schodim, nach 8ö vielen Jahren vor Kurzem endlieh gestorben sei, und die Zauberer auf seinen Nachfolger, dessen Charakter sie bisher noch nicht erkennen konnten, oben noch nicht eingerichtet seien1). Diese Predigt nahin ein unbekannter Maimu״ist. zum Anlass, um gegen dio wissensfeindliche Wühlarbeit, welch0 sich seit längerer Zeit im Posen er Ghetto bemerkbar machte und ihre Spitzo namentlich gegen Maimonides kehrte, einen geharnischten Widerspruch zu erheben und zugleich dom Oborrabbiner auf seinen Kanzelvortrag die gebührende Ab- ■ Fertigung zukommen zu lassen. Im Gebrauch ilespectirlicher Redensarten hat er sieh, keine Zurückhaltung au!erlegt, doch hat er dem einzelnen Gegner gegenüber die Schmähworto nach seiner Schätzung von dessen geistigem Werth gewühlt und differenziert. Dem Oberrabbiner wird vor allem vorgehalten, wie es ihm nur einfallen könne, das eifrige Lesen der heiligen Schrift zu vorfohmen; das sei eine ״Eselei“, weil er die bezüglichen tahündischen Stellen und ihro rabbinischen Erklärer falsch oder gar nicht verstanden habe. Wenn er behauptet habe, dass alle Bücher ausser den talnnulischen als ketzerisch zu betrachten sind, so sei dies auf Maimonides gemünzt, nur habe er nicht den Mutli gehabt, ihn ausdrücklich zu nennen oder sich bestimmt zu erklären, um, zur Rede gestellt, diplomatisch ausweiohen zu können; solche Diplomatie werde ihm aber nichts nützen, ״weil viele dio Ohren zu grosser Aufmerksamkeit gespitzt, um zu höreu, was er Vorbringen werde, und sie seine Worte sehr wohl behalten haben״, der Verfasser der Flugschrift habe sie au!gefordert, sich den Wortlaut gut zu merken, da er sie möglicherweise als Zeugen * dem Rabbiner gegenüber י) Den kühnen Gedanken vom Tode dos Aschrnodai scheint Ahron nicht iii jener הגדול DSV-Predigfc vorgebraclit, sondern bei einer andern festlichen Gelegenheit verkündet za haben.