Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829771-2884429--31956-2884503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
154 Streit um den iloreh des Maimonides in Posen. Manier goldener Rücksichtslosigkeiten an Jakob Emden; wie bei diesem etwa ist’» auch bei ihm eine heilige Entrüstung gegen das Ucbergreifen eines heissspornigen Obscurantismus y welcher die wissenschaftlichen Güter und den reinen Glauben bedroht, ein ehrlicher Zorn führt ihm die Feder gegen den Oberrabbiner von Gross polen, AhroD, und s e inen Schwiegersohn Joseph. Von dem genannten Ahron wissen wir nichts weiter, als was David Gans1) von ihm erzählt,-dass er nämlich früher Rabbiner von Prag gewesen und um 1557 nach Posen als Überrabbinor von Grosspolen ging. In Posen wurden erst gegen den Anfang des 16. Jahrhunderts Rabbiner amtlich angestellt, während bis dahin das Rabbinat als privater Beruf im freien Wettbewerb ausgeübt wurde. Man begann mit der amtlichen Anstellung von Rabbinen für ganz Grosspolen und suchte dem Amt die königliche Anerkennung und staatliche Vollmachten zu gewinnen. Der erste beamtete Oberrabbiner für Grosspolen war wahrscheinlich Kaihriel, sicherlich beamtet jedoch sein Nachfolger, Samuel ben Jakob Margalioth, der 1527—1551 das Oberrabbinat von Gross״ polen verwaltete2), dem Sa lo m o n Lieber in a n n beu Jehuda Lübisch aus Eisenstadt folgte, wohl bis 1557, in welehern Jahr Ahron aus Prag das Rabbinat Grosspolens übernahm. Am grossen Sabbath vor dem Passahfest 1559, dem üblichen Predigtsabbath, hatte der Oberrabbiner Ahron eine Predigt in der Synagoge zu Posen gehalten, 'welche allgemeines Aufsehen erregte und namentlich die Wissenschaftliehen Kreise des Ghetto nicht wenig skandalisirte. Er war von der Kanzel gegen jedes wissenschaftliche Streben aufgetreten und hatte offen erklärt, dass ein Sohn Juda’s nichts lernen dürfe, als den Talmud, alle übrigen Bücher gelten soviel wie 3ספרי הנדרס) (ketzerische, heidnische Bücher); selbst die heilige Schrift dürfe man nicht allzuviel studieren. Er führte dann weiter aus, dass man es für eine Strafe Gottes dafür ansehen müsse, dass der Moreh des Alaimonides צמח דוד (י I zum Jahre 1557. ף Anhang 2. a) Eine Hindeutung auf Chullin CO, b und Sabbath 116b nach Anführung des Aruch unter dem Stichwort הרוס, während in unseren Talmudtexten die er&tere Steile sich gar nicht findet, die andere anders lautet.