Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829768-2829771-2884427--31945-2884496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dio Vorlesungen Barnacks über 11113 Wesen des Chmtonthums, 147 P 10 ־ p 11 e t e u, von Jesaias bis Maleachi hüben das Thun und Lassen der Priester, dieser berufenen Diener dos Heiligthums in und ausserhalb desselben, ganz besonders ihrem Urtheile unterworfen, ihre PHichton ihnen vorgehalten, ihre’ Sünden und Verfehlungen gerügt. Die K v a n g 0 1 i 0 n sind stille davon. Die Hohenpriester, insbesondere Kuiphas, worden von ihnen als diejenigen genannt, welche den Tod Jesu mit beschlossen haben; weitere Anklagen werden gegen sie nicht erhoben. Dio Schriftgelehrten und die Pharisäer treten uns ferner fast auf Schritt und Tritt entgegen, die Priester aber ziehen, abgesehen von der wunderbaren Geburlsgeschichte des Johannes1), nur gelegentlich, in Anweisungen oder Parabeln, wie Schatten an uns vorüber. Näheres erfahren wir nicht über sie. Dio sogenannte Tompelreinigung2 *) traf nicht sie und der Bericht darüber verrät 11 geringe Kennt- 11i88 der Hinrichtungen und Räumlichkeiten des Tempels״). Dio tiefgreifende Verändern u g, welche die im Jahre 70 n, Ch. erfolgte Zerstörung dos Tempels und der Untergang des Staatswesens in die jüdischon Verhältnisse brachte, gibt uns die Erklärung fiir d a8 Sch weigen, wi0 für das Jiodon de r Evan ge 1 ien. Die Priester verloren mit dem Eingehen ihrer Aomtcr ihre Macht und ihre Bedeutung. Die Sadducäcr lösten als Stand und als Partei sich vollständig auf. Beide Stände waren vergangene, nicht weiter zu beachtende Grössen. Die Piiarisäer und die Schriftgelehrten aber gewannen die vollständige Führung der Juden. Sie musste das aufstrebendo Christenthum bekämpfen, wenn es Anerkennung und Vorbreitung gewinnen wollte. Es war ein Glaubcnskampf, den es gegen sie führte, es war aber auch ein Kampf der R i - v a 1 i t ä t. Er richtete sich nicht nur gegen ihre Geltung unter den Juden, sondern auch gegen ihre Bemühungen, unter den Heiden, dem J-ud ent hum Prosolvten zu gewinnen. Das aber war eine Aufgabe, welche die Sendboten!los Christenfchuma seit Paulus, mit besonderem Eifer verfolgten. Aus diosem Wetteifer heraus hisst Matthäus4) Jesus eiu Wehe ausrufen über ״die Schriftgelehrten und Pharisäer, dio Heuchler, welche Meer und Land durchziehen, um einen l) Bei Lucas, c. 1. a) Marcus 11, 15 ff. 0) Graetz IIP 420. *) 2«, 15 10♦