Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 11)
- Language
- German
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14<> Die Verlosungen Harnacks über das Woson dos Christen thums. 80 folgte er darin dem Beispiele der S a d d u c ä.e r und selbst weiterer Kreise des Volkes. Solche Meinungsverschiedenheiten brachten noch keinen Zwiespalt mit sich. Ein solcher ergab sich erst aus der W eigerung der Pharisäer, ihn als M e s s i a 8 anzuerkennen. I)io Evangelien bringen deshalb seine heftigsten Angriffe gegen 8ie im Anschlüsse an diese Weigerung. Es ist begreiflich, dass er sich danach gegen ihre Schulgelehrsamkeit, gegen ihre ganze Richtung und Denkart wandte. Aber die schwersten Bedenken erwecken die weiteren von den Evangelien gebrachten Beschuldigungen, der ״Heuchelei und der Schoinlieiligkoit״ ,״dass sie Andern nur Lasten auferlegen, selbst aber nicht anrühren, dass sie derWittwen Häuser fressen und lange Gebete verrichten zum Schein, dass sie ihre Werke nur thun, um sich vor den Leuten scheu zu lassen, den Ehrenplatz bei den Gastmiihlern und in den Synagogen zu erhalten, dass sie aussen fromm, inwendig aber voll Verworfenheit seien1 * III״). Sie stehen in unlösbarem Viderspruche mit Jesu eigenen Lehren und Malinungon2), mit allen anderweitigen Berichten aus jener Zeit, sie sind unerklärlich einem ganzen, in seinem Volke hochgoachteton Stande gegenüber. Es ist eine weitere auffällige Erscheinung, dass Josus seine S t r a f r e d e n nur über dio Pharisäer und Schriftgelehrten hält, die im Allgemeinen keine amtliche Stellung hatten und ihr Ansehen, wie ihre Bedeutung nur durch ihre Persönlichkeit und ihre Wirksamkeit gewannen, nicht aber über dio wirklichen M a c h t h a b e r, die Sadducäer, den durch Eeichtb.um, Acmter und Stellung hervorragenden Adel und die vornehmen Priester. Beide, mit einander verbundenen Stände waren vielfach entartet, die Hohenpriester gefügige Creaturen des Herodes, wie der Römer. Josephus und der Talmud führen übereinstimmend Klage über den Missbrauch, den sie mit ihren Aemtern und Privilegien trieben, über ihren Hochmuth, die Hartherzigkeit mit der sie ihrer Habsucht fröhnten, die Gewalttätigkeit, mit der sie die Priestorgaben vom Volke eintrieben, und ihren ärmeren Genossen Wegnahmen3). Sä mmtliche l) Marc. 12. 38—40. Matth, c. 23. Lukas 11, 39 ff. 20, 45 IT. s) Vgl. Matth. 5, 22 ff. :l) Jos. Antt. XVIII. 1, 3. XX. 8, 8. 9, 1. 2, 4. Bell. Jud. II. 8, 14. Talm. b. Pos, 57 a. Sota 48, sowie Geiger, Urschrift 110 f. Graefcz. Gesch. III8. 455 f. 656. Chwolson das letzte Passamahl Christi, S. 29. Amu. 3. u. S. 121 ff.