Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Vorlesungen Harnacks liker das Wesen des Christenthums. \ 39 es als heilige Aufgabe bezeichnet, die Sünder und Frevler zu warnen und ihnen für ihre Besserung die Verzeihung und Gnade Gottes zu verkündigen1). Ihnen nachfolgend, konnte Jesus erklären: ״Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet hin und lernet, was es heisst: ״Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer״. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder2״). Und nach der Strafrode desselben Propheten gegen die Hirten Israels, dass sie die schwachen Schafe nicht gestärkt, die kranken nicht geheilt, die verletzten nicht verbunden, die verirrton nicht zurückgebracht, die verlorenen nicht gesucht, entwarf er das Bild von dem guten Ilirton, der vor Allem den verirrten Schafen nachgebt3). Es mochte wohl die Form seines Verkehres mit diesen verlorenen Schafen Israels sein, wenn die Pharisäer c aran Änstoss nahmen und ihm deshalb Vorhaltungen machten. Erregt er doch auch noch die Bedenken Wellhausens derart, dass dieser erklärt: ״seine Vorliebe für sie scheint manchmal etwas weit zu gehen4 *״). In der Sache aber finden wir gerade bei den Schriftgelehrten jener Zeit die gleiche Anschauung und ähnliches Thun. Da vernehmen wir die Mahnung: ״beurtheile einen jeden Menschen naoh seiner besten Seite״ ,״verurtheile Keinen, bevor du dich nicht an seine Stelle versetzt hast“, da lehrt Hiliel, ״sei von den Schülern Arons, liebe den Frieden und jage ihm nach, liebe die Menschen und du bringst sie zur Gotteslehre״. Diese Empfehlung des Beispiels Arons wird ganz besonders auch auf dessen freundlichen Verkehr mit Sündern > und Frevlern bezogen, die er dadurch zur Abwendung von ihrem Wandei und zu besserer Gesinnung brachte6). 2. Nicht persönliche oder vereinzelte Lehren sind es, die in diesen Worten uns entgegentreten, sondern im Wesen des Judenthums wurzelnde Anschauungen, die näheren Ausführungen eines Gebotes, das mit besonderer Eindringlichkeit und Kraft gerade in jenen Zeiten verkündigt wurde, des Gebotes ע16>״גמילזת חסדים wer kthätigen Liebe“. 9 33. *3. ff. a) Matth. 9, 12. f. mit Bezug auf Hosea 6, 6. а) Ezech. 34, 1 ff (Vrgl. auch Jes. 40, 11.) Matth. 18, 11 ff. 4) Isr. u. jüd. Gesell. 310. б) Spr. der Väter. I, 6. 12. Vgl. dazu Abot d, B. Natan. C. 12 und die Erklär, d. Maimon, z. St.