Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 14)
- Language
- German
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Pas Jv.denthum im ueutcstnment]. Zeitalter in christl. Darstellung. 133 (Lev. 18, 5), und es ist bemerkenswert!], dass diese Erklärung gerade den das Geschlechtsleben, also das im eminenten Sinne sittliche Leben regelnden Verordnungen vorangeht. Von diesem Standpunkte aus erschiene es goboton und würde es sich verlohnen, zu untersuchen, wie viel die Abstinenz- und Ritualgebote dazu beigetragen haben, dass das jüdische Volk inmitten der heidnischen Welt und trotz mannigfacher Berührung mit ihr in anthropologischer Hinsicht seine Existenz behauptet und seine körperliche, wie moralische Degeneration verhindert hat. Es würde sich ferner verlohnen, den Antheil. zu bestimmen, der diesen Geboten an der merkwürdigen Rein״ crhaltung des Monotheismus zukommt. Denn man muss sich auch darübef• klar sein, dass die Ritualgebote dem religiösen Bedürfniss des Menschen eine Ableitung, eine Katharsis schaffen, wodurch dasselbe verhindert wird, sich• auf den Gottesbegriff selbst zu werfen und ihn, wie die Geschichte gezeigt hat, zu trüben. Ich habe darüber in Rahmers Jiid. Litterat.-Blatfc, Jahrg. XXI, S. 172 gesprochen. Aber aller dieser Aufgaben betrachtet sich die christliche Darstellung der jüdischen Religion des neutestamentlichen Zeitalters für enthpben. Und doch sind diese Gesichtspunkte auch für die kritische Geschichte des alten Kanons von Bedeutung. Man nimmt jetzt für ausgemacht an, dass der ganze Oomplcx der Abstinenz- und Ritualgebote verhältnissmässig jung sei und erst seit 621, seit der Auffindung des Deuteronomiums und der Reorganisation durch Esra datiere. Baldonspergor (a. a. O. S. 27) weist darauf hin, dass in der unter dem Patronate ״dos welterfahrenen Salomo“ entstandenen neuen Litteratur ״vom Gesetz im Ganzen relativ wenig die Rede ist, dass gewisse Vorschriften (wie dio Besehneidung, die im ganzen messianischen Psalter keine Erwähnung findet) zurücktreten“. Aber die Beschneidung ist doch, kein Thema für den öffent• liehen. Vortrag! Wenn ferner bemerkt wird, dass dio alten Propheten den inneren Gottesdienst betonen und alles Aeusseriiehe der Gottesverehrung heftig bekämpfen, so würde diese Thatsache allerdings als ein Beweis für das jüngere Datum des Ritualgeaetzes in dom Falle angesehen werden können, dass die Propheten von Esra unterdrückt und erst seit kurzem, etwa durch Ausgrabung, gleich den babylonischen Thontäfelchen, bekannt gewordea wären. Aber die Propheten waren doch auch Esra und seinen Mitarbeitern, wie ihren Nachfolgern .bekannt, ja allein diese, di© angeblich das