Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 7)
- Language
- German
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126 Das Judenthum in! nöutostamenfcl. Zeitalter in chrisÜ. Darstellung. leidiger uuch den rechten Backen darreichen solle, dass der des Rockes Beraubte dem Räuber auch den Mantel lasse u. 8. w. zu der Aeusserung gedrängt: ״Hier scheint eine Forderung aufgestellt zu sein, die das Recht verurteilt und das Rechtsleben auilöst“. Aber er beseitigt das Befremden mit der Erklärung : ״Ich wage zu behaupten, dass Jesus bei jenen Worten an solche Fülle (obrigkeitliche Strafen und Kriege) gar nicht gedacht hat, und dass die Ausbeutung in dieser Richtung ein plumpes und gefährliches Missverständnis hedeutet: Jesus hat immer nur den einzelnen im Auge und die stetige Gesinnung des Herzens in der Lie־beu. Nun, ich wage meinerseits zu behaupten, dass es sich genau so mit dem Judenthum verhält. Aber Harnack und Bousset wissen nicht, oder wollen nicht wissen, dass die rabbinische Lehre mit Bezug auf Deuteron. 6V18: ״Und du sollst thun, was recht und gut in den Augen des Ewigen״, oder auch mit Bezug auf Sp1\ Sah 2,20 ״Auf dass du wandelst in den Wegen der Guten“ die Weisung ertheilt, nicht das Recht zur Maxime zu machen, sondern, wie der Kunstausdruck lautet, sich לפנים משורת הדין ״innerhalb der Grenze des Rechts“ zu halten. Eine Boraitha, legt die Worte Exod, 18, 20: ״Mache ihnen kund den Weg, den sie gehen, und die That, die sie thun sollen“, derart aus, dass sie erklärt: ״Die That“ — bedeutet das Recht, ״die sie thun sollen“ — bedeutet innerhalb des Rechtes, womit sehr gut ausgedrückfc ist, das was man thun soll, besser, edler sein muss, als was man zu thun berechtigt ist- (Bab. Mez. 30b). R. Jochanan sagte: ״Jerusalem ist uur deshalb zerstört worden, weil man sich auf das von der -Thora vorgeschriebene Recht der Thora gesteift, und nicht innerhalb der Grenze des Rechts gehandelt hat“. (Das.) Es ist selbstverständlich, dass die rabbinische Lehre auch vor der Zerstörung Jerusalems der Anschauung Jochanans entsprach, später konnte man diese Lehre nicht besser bekräftigen, als indem man die Zerstörung auf ihre Yernachlässigung zuruckführte. Ich lüge diesen Daten noch die folgende Erzählung (das, 83 a) bei. Lastträger zerbrachen dem Rabba bar bar Ghana ein Fass mit Wein, darauf nahm t׳r ihnen ihre Mäntel weg. Als man dies Rab mittheilte, hie88 er ihn, ihnen ihre Mäntel zurückgeben. Darauf fragte R. b. b. Ghana: ״X$t 80 das Recht?“ Darauf Rab: ״Allerdings, denn es heisst (Spr. Sal. das.): ״Auf dass du -wandelst in den Wegen der Guten“. Nun kamen die Arbeiter zu Rab und