Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 6)
- Language
- German
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Das Judenthum im noutestamentl. Zeitalter in christl. Darstellung, j 25 ״Confiict“ und ״Schwankung“ nichts gewusst hat. Er wäre ja ein Schwächling oder Heuchler sonder gleichen gewesen, wenn er das was er nach Schiatter ״erlebt“, nicht auch bekannt hätte. Aber freilich, um das Faeit herauszubringen, womit die obige Schilderung abschliesst, werden in den alten Meister, um den sich die bedeutendsten Schüler schaarten, moralische Schwächezustände, Contlicte und Schwankungen hinein geheimnisst, wovon eine unbefangene, voraussetzungslose Forschung in den Quellen auch nicht eine Spur entdecken wird. Ausser den Begriffen Furcht, Reue, Leistuug, Lohn und Verdienst, mit welchen das Judenthum des ncutestamentlichen Zeitalters torquiert wird, damit es den Voraussetzungen, welche man ihm entgegen bringt, entspreche, müssen besonders die Begriffe Recht und Gesetz dem gleichen Zwecke dienen. Für die beiden letzteren gebraucht Bousset starke Worte. Vom Recht sagt er S. 105 : ״Erst wenn man begriffen hat, wie «ehr das Recht die Religion des Judentums bis ins Innerste vergiftet hat, wird man auch die bewusste und unbewusste Opposition des Evangeliums gegen den Rechfcsgedanken innerhalb der Religion begreifen“. Und vom Gesetz Ö. 367 : ״Die Auffassung, die wir einmal die pharisäisehe bezeichnen wollen, dass es bei der göttlichen Forderung der Gerechtigkeit, auf eine Fülle einzelner Forderungen ankomme, hatte auch zu Jesu und Pauli Zeiten die jüdische Yolksfrömmigkeifc noch nicht ganz durchdrungen und vergiftet“. In derselben starken Weise drückt sich Harnack (Wes, d. Chr. S. 66) aus: ״Die Priester und die Pharisäer hielten das Volk in Banden und m ord e t e 11 ihm die Seele“. Wenn man solche Aeusserungen liest, muss man auf die Yermuthung kommen, dio Lehrer des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu seien lauter Giftmischer und Mordbrenner gewesen. Einlenkungen, wie z. B. die Bemerkung Harnacks (das. S. 45): ״In seinem Volke fand Jesus eine reiche und tiefe Ethik vor“ und andere ähnliche Abfindungen zeigen nur, dass man an jene in Kraftbrühe servierte Charakteristik des Judenthums selbst nicht recht glaubt, auch nicht glauben kann. Denn es drängt sich doch dabei unabweisiieh einem Jeden die Frage auf: ״Sind denn Recht und Gesetz mit der Religion unvereinbar und nicht vielmehr durch sie bedingt P* Harnack selbst (S. 70) sieht sioh mit Bezug auf das Wort Jesu, dass der auf den einen Backen Geschlagene dem Be-