Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 3)
- Language
- German
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122 Das Jadoiithum im neutestamentl. Zeitalter in chrißtl, Darstellung, derung des Audiatur et altera pars. Dass ihr aber von den christlichen Darstellern der neutestamentlichen Geschichte nicht genügt wird, ja dass ihr von einem 80 ausgesprochen subjectiven Standpunkte gar nicht Genüge geschehen kann, zeigt dieses Beispiel deutlich genug. Ich füge demselben noch ein anderes hinzu. Harnack (Wesen des Christent, 5. AuH., S. 81) sagt über das ״Sohnesverhältniss“ Jesu: ״Das ist sein Geheimniss, und keine Psychologie wird es erforschen Und gleich darauf: ״Hier hat alle Forschung stille zu haltenV Auch diese Sätze entziehen sich meiner Kritik, aber von voraussetzungsloser Wissenschaft ist in ihnen keine Spur enthalten. Ist man aber auf diesem Standpunkte berechtigt, ja nur im Stande, das Judenthum der Zeit Jesu zu begreifen? Und dies ist doch nothwendig, wenn man es den Thatsachen entsprechend darstellen will. Es fehlt denn auch nicht viel, dass Harnack in einen ganz mittelalterlichen Ton verfallt, indem er von der ״Verwerfung“ Jesu durch das jüdische Volk redet (das. S. 31), und in einer neueren Schrift (Die Mission und Ausbreitung des Christentums in d. ersten 3 Jhrh. S. 50) dies noch schärfer ausdrückend zu der Con״ sequenz gelangt: ״Das jüdische Volk hat durch die Verwerfung Jesu seinen Beruf verleugnet und sich selbst den Todesstoss versetzt“. Dies ist nicht mehr die Sprache ruhiger wissenschaftlicher Untersuchung, sondern die einer eifervollen Predigt, die sich auf ein vaticinium ex eventu stützt, der man aber eine richtige Bemerkung Baldensperger’s (Das spätere Judenthum als Vorstufe des Christenthums, S. 18) entgegenhalten könnte: ״Für die Weiterentwickelung des menschlieben Geistes fallen Zahlen oder Majoritäten sehr wenig ins Gewicht“. Von dem hier :nachgewiesenen subjectiven Standpunkte ist es gewiss nicht leicht möglich, selbst über die Person- Ischkeit Jesu und die Anfänge des Christenthums geschiehtliehe Klarheit zu erlangen, und man muss Graetz Recht geben, wenn er (Gescb. III, 283) sagt: ״Noch hat sich aber die kritische Schule nicht an die Aufgabe gemacht, das Authentische im Leben Jesu von dem Mythischen und Tendenziösen auszascheidea. Sie scheut die Desillusion“. Aber wie dem auch sein mag, die• Darsteilung des Judenthucaa^sur Zeit Jesu wird der christlichen Forschung gewiss nicht gelingen, fo lange sie ganz nach subjectivem Ermessen an dem einen Punkte״ ־stille hält“, ׳ und an die anderen mit Voraussetzung