Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 2)
- Language
- German
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Das Judenthum im neutestamentl. Zeitalter in christl. Darstellung. ]21 welche das Judentbum der neutostumentlichen Zeit behandeln, hinlänglich beachtet wird, mögen ein paar Beispiele darthun. 0. Holtzmann (Religionsgeschichfcl. Vortr. S. 115) sagt von Jesus: ״E8 ist ein© feste geschichtliche Tatsache, dass Jesus durch sein Wort Kranke geheilt hat; es ist eine feste geschichtliche Tatsache, dass Jesus nach seinem Tod seinen Jüngern als der auferstandene Herr erschienen ist. Aber nicht dadurch sind sie zum Glauben an ihn als den Messias gekommen. Das G ö 111 i e h e w i 11 n i c h t a 18 etwas Besonderes neben dem Menschlichen, es will gerade in der menschlichen Eigenart Jesu gefunden'sei ntt. Ich bin weit davon entfernt, an diesen Behauptungen, sei es in ihrer Gesammtheit, sei es an ein• seinen von ihnen Kritik zu üben, aber dass sie, trotz der Bestimmtheit, womit sie ausgesprochen sind, doch nur den Glauben, also etwas ganz Subjectives, zur Grundlage haben, kann nicht bezweifelt werden, ist aucii in ihnen selbst angedeutet. In einem weiteren Satze eben desselben Vortrages heisst es von dem Christgläubigen : ״Da flieset ihm die Gestalt Jesu notwendig mit dem Hilde seines Gottes zusammen“1). Auch hierüber masse ich mir kein Urtheil an, ich würde damit die Grenze meiner Untersuchung überschreiten; wohl aber halte ich die Frage für durchaus berechtigt: Ueberschreitet H. nicht; seinerseits die Grenze, die ihm durch seinen subjectiven Glaubensstandpunkt gesetzt ist, wenn er allein von diesem Standpunkte aus die mit Jesu gleichzeitigen Vertreter des Judenthums kritisiert und z. B. einige Zeilen vor dem zuletzt angeführten Satze wörtlich sagt: ״Er (Jesus) wusste, dass er eine Gerechtigkeit kannte, die höher war, als die der Pharisäer und Schriftgelehrten. Für ihn war die Gerechtigkeit aus einer Sache der Formen ganz und gar eine Sache des Charakters geworden״. Die ״Gerechtigkeit״, von der hier die Rede ist, würde erfordern, auzuerkennen, dass sie auch bei den Pharisäern und Schriftgelehrten keine Formsache, sondern ganz und gar eine Sache des Charakters gewesen ist. Wenigstens darf man diesen Anspruch an Vortrüge stellen, die sich nicht religiöse, sondern religionsgeschichtliche nennen, denn gerade hier gilt die voraussetzungslose Forl_) Diese und die folgenden durchschossenen Stellen finden sich so auch in der Vorlage. - י