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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 2 · p. Seite 115

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 2
Article
Zur Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther
Date
1903-01-01
Page
Seite 115 (sequence 6)
Language
German
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Zur Kritilc d68 griechischen und massorotiachen Buche» Esther. nomine vocabatur Esther — — — raortuisque patre eius ao matre Mardochueus sibi eam adoptavit in tiliam. Also samt« liehe Uebersetzungen stimmen darin überein, dass Esther als Jungfrau in den Harem des Königs gekommen ist. Was sagt aber Jahn dazu? ״H. setzte statt der Esther als Pflegetochter den Mardochai als Pflegevater, weil bei ihm folgt: Er nahm sie sich zur Tochter und dasselbe nicht zweimal gesagt werden sollte; LXX dagegen: Er erzog sie sich zum Weibe; letzteren erregte Anstoss und wurde darum in H. geändert. Jacob Z. f. A. W, X. will froilich \hjyxr£px statt fuvatx.a setzen; aber was ist denkbarer, dass aus der Frau die Tochter, oder dass aus der Tochter die Frau gemacht wurde? für ersteres ist ein Grund aufzufinden, für letzteres nicht; Luoian lässt diesen ganzen Zusatz fort,, weil er nach der Fassung von A. Anstoss daran nahm44. Man versteht nicht recht die Logik Jahns, warum der hebr. Text an einem ursprünglichen Satz: ״und er erzog sie sieh zum Weibe“ Anstoss genommen hätte. Zunächst nimmt Jahn (p. X) an, dass selbst der Uebersetzer des LXX-Textes ,,ein frommer Jude“ gewesen sei, und ein solcher wird auch dann sicherlich der Verfasser des eigentlichen hebr. Originals gewesen sein, und trotzdem sollen beide etwas dem Judenthum Anstößiges niedergeschrieben haben! Ueberhaupt liegt auch nach dem jüd. Gesetze keine strafbare Handlung vor, wenn eine Jungfrau nicht von ihrem ersten Vorehrer, sondern vom König gohoiratet wird. Angenommen, sie wäre nun nicht als Jungfrau, sondern als Eheweib in den Harem des persischen Königs gekommen, 80 hätte auch dann H. keinen Grund gehabt, den Text zu ändern, da ja im A. T. ähnliche Vorfälle häufig erzählt werden. So berichtet uns sogar das A. T., dass dio Frauen der jüd. Stammväter, des Abraham und des Isaak, von dem Philisterkönig vorübergehend in Besitz genommen sind (vgl. Gen. 1, 20 u, 26). Und sogar der Talmud, der mit einer Strenge die Ehegesetze bis ins kleinste geregelt hat, scheut sich nicht eine späte Legende wiederzugeben, wonach Esther ursprünglich die Frau des Mordechai gewesen sei und selbst noch als Königin mit Mordechai ehelich verkehrt habe. Ausschlaggebend für die Priorität der LXX ist nach Jahn• auch folgendes: Im hebr. Text 9, 10 heisst es: ,.Sie töteten die 10 Söhne Hamann, aber an die Beute legten sie nicht ihre Hand“; ebenso in der Parallelstelle 9, 15: ,Und sie töteten in Süsa 300 Mann, aber an die Beute legten sie

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