Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1903-01-01 · Heft 2 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
47 (1903)
Issue
Heft 2
Article
Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden
Date
1903-01-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829768-2829771-2884424--31893-2884449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 Die Wiederherstellung Israels unter den Achämoniden. in Betracht kommen. Hier schlägt nun Neh. 1, 1—3 vortrefflich ein. Ein unbefangenes Durchlesen dieser Sätze lässt keine andere Auffassung zu als die, dass Nehemia hier von einer Katastrophe, die sich kurz vorher in Jerusalem ereignet hat, plötzlich erfuhr und durch diese Nachricht in Besfcürzung geriet. So sind diese Sätze auch stets verstanden worden. Diejenigen Gelehrten, die die Expedition Esra’s in die Zeit nach Nehemia verlegen, sehen sich natürlich genötigt, die hier geschilderte Katastrophe mit der Zerstörung Jerusalems unter Nabochodnozor zu identifizieren. Diese Annahme aber ist nicht nur sehr unwahrscheinlich, sondern völlig unmöglich; denn erstens ist es undenkbar, dass ein Mann wie Nehemia, dem die Not seiner Stammesgenossen so sehr zu Herzen ging (vrgl. 1, 4 ff), und der dabei eine so hoho Stellung am persischen Hofe inne hatte, bis dahin noch nicht; erfahren haben sollte, wie es mit seinen Brüdern in Palästina bestellt sei, und dass er daher von dem Berichte, dass die Stadtmauer in Jerusalem noch nicht wieder erbaut; worden sei, 80 ungemein ergriffen worden sei. Zweitens begreift man nicht, wie es kommen konnte, dass die Verhältnisse in Jerusalem, wie wir sie big jetzt kennen gelernt haben, dem Nehemia in so schauderhaften Bildern (Nah. 1, 3) dargestellt werden konnten. Haben doch selbst Gelehrte wie Graetz und Wellhausen, welche die Geschichtlichkeit von Esra 4, 7—23 leugnen, in Neh. 1, 1—3 die Tatsache, dass hiervon einer kurz vorher stattgefundenen Katastrophe die Rede sei, als feststehend angesehen (Graetz a. a, 0., Wellhausen X8r. jüd, Gosch. 1897, 1G8). Hiermit haben wir in Neh. 1, 1—4 eine indirecte Wiedergabe der Ereignisse, die Earas Memoiren, welche mit Esra 10, 44 so plötzlich und auffallend abbrechen, enthalten haben müssen. Esra, der das Hauptziel, weswegen er naeh Jerusalem gezogen war, nämlich die Verkündigung des Gesetzes, nicht erreicht hatte und nicht erreichen konnte, weil die Verbrüderung zwischen den Juden und den umwohnenden Nachbarstämmen eine viel 2;u enge war, als dass sie sich durch das Gesetz zu einer Isolierung von denselben hätten entsehliessen wollen, musste die Gesetzesverküadigung vorläufig fallen lassen. Es1 sann aber auf Mittel, dieses Hinderniss aus dem Wege zu schaffen und glaubte nun, ebenso wie sein Anhang, sein Ziel nur durch eine Ummauerung der Stadt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.