Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 515 (sequence 3)
- Language
- German
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Geschichte des. Achtzehn gebets. 515 wärtige allen Riten gemeinsame Form gebracht worden sein sollten. Auch lässt sich dieses Gesetz nicht ohne gewaltsame Eingriffe in den Wortbestand und nur auf Kosten des Sinnes consequent durchführen;. Dieselben Schwierigkeiten stellen sich auch dem andern Gesetz Dörenbourg's von den kurzen, aus nur zwei Worten bestehenden Eulogieen entgegen. Allgemeine Regeln werden wir, wie gesagt, nicht suchen und noch weniger mit Gewalt wiederfinden wollen dürfen. Wir werden uns im Folgenden damit begnügen, die Zusammensetzung der einzelnen Benedictionen zu erklären, sowie die historisch nachweisbaren Veränderungen und wichtigen Varianten des Textes zu verzeichnen. Wir gehen dabei von dem Wortlaut der Tefilla aus, der der TJebersetzung von Michael Sachs zugrunde liegt und in Deutschland allgemein üblich ist1). I) Die erste Benediction der Tefilla heisst אבות schon in der Mischnah (Rosch Hasch. IV, 3)♦ Sie hat ihren Hamen von der Erwähnung der Patriarchen und wird im Talmud aus dem Anfang des Psalm 29 abgeleitet (das. 82a). Wir berufen uns am Eingang der Tefilla darauf, dass auch wir zu dem Gotte unserer Väter beten wollen, dessen Allmacht und Güte von Abraham zuerst erkannt und der Welt verkündet wurden, dessen Bund mit den Vätern eine Bürgschaft für das Heil der Zukunft ist. Der Anfang wird schon Mechilta zu Exod. 13, 3. als an die Verkündigung Gottes an Moseheh bei der Offenbarung im Dornbusch (Ex. 3, 15) angelehnt citiert. Wir leiten diese Benediction nicht, wie es sonst üblich ist, mit מלך העולם ein in dem richtigen Gefühle, dass es hier störend wäre, Gott als König der Welt anzureden, wo wir uns gerade auf seine Anbetung in der Geschichte Israel’s berufen wollen2)♦ Die folgenden Epitheta Gottes sind Ber. 33 b (vgl. auch Sifre V. 343, ed Friedmann 142b ob., dgl. Joma 69b) als x) Von den im Folgenden zur Vergleichung herangezogenen Ge* betordnungen citiere ich der Kürze halber die meisten durch Abkürzungen, u. z. bezeichnet Germ. den Siddur nach deutschem, Seph. denjenigen nach sephardischem Ritus, AG den Siddur des Gaons Amram, Warschau 1866, Saadja die Varianten aus Saadja’s Siddur bei Landshuth 8 עמודי העבודה. y.■ר, סעדיה, V. das Machsor Vitry, Berlin 1895 Maim(uni) die Gebetordnung in Maimuni’s Mischneh Thorah, Abdr. den Commentar David Abudrahams zum Gebetbuch. 2) Die Litteratur darüber siebe Tur u. Bet Josef Or. Cb. Nr. 118 Anf. Ygl. auch Monatsschrift 1886, S. 161.