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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-11-01 · Heft 11-12 (November 1902) · p. Seite 514

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 11-12 (November 1902)
Article
Geschichte des Achtzehngebets
Date
1902-11-01
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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514 Geschichte des Achtzehngebets. kennen wir die Grundform der Tefilla nicht, ja wir Termögen nicht einmal anzugeben, wann und -in welchem IJmfange zuerst eine solche exisfcirte* * Die Alten kannten keine feste einheitliche Abfassung des Gebetes, sie wollten nur den Gegenstand und Inhalt, nicht aber den Wortlaut der Tefilla festlegen. Darum finden wir in der Mischnah noch Discussionen über die Ausdehnung der für alle verbindlichen Tefilla1) und Verbote yon Abweichungen im Einzelnen, die eine gewisse Freiheit der Beter voraussetzen2). Die Mischnah und auch noch die Gemara kennen keine geschriebenen Gebetbücher, verordnen darum, dass der Vorbeter sich zunächst leise die Tefilla zurecktlege, damit er sie laut vortragen könne, und auch die oben erwähnten Abweichungen weisen darauf hin, dass geschriebene Gebetbücher nicht existierten. Wenn wir demnach über die älteste Form der Tefilla auch nicht unterrichtet sind, so deutet doch die hervorgehobene Ueb er ein Stimmung aller Zeiten und Riten darauf hin, dass die Grundform im Wesentlichen uns erhalten geblieben ist* Darauf weist auch die poetische Form der Tefilla hin, die Beracha. Die Beracha ist hymnisch, in Schwung und Haltung der biblischen Lyrik nahe, im Sprachgebrauch an die heilige Schrift angelehnt und entnimmt dieser Bekenntnis und Bitte3). Noch der älteste uns erhaltene Text des Ächtzehngebetes, derjenige im Siddur des Gaon Amram hat diese Form ziemlich rein und deutlich erhalten. Einige Benedictionen erweisen sich als Dreizeiler, sie enthalten zwei parallele Stieben und ein drittes zum Ab- Schluss; auf diese geistvolle Entdeckung gestützt hat Josef Dörenbourg das Gesetz von der Triebotomie der Benodictionen aufgestellt und* durch Zurückweisung aller Stücke auf Dreizeiler die Grundform der Tefilla wiederzufinden geglaubt4). Allein es ist undenkbar, dass die in verschiedenen Zeiten entstandenen, aus dem Volksbewusstsein kervorgegangenen und mündlich überlieferten Gebetstücke, alle nach einem eintönigen gleichmässigen Schema gearbeitet seien, und es. ist nicht zu ergründen, wann dieselben auf ihre gegen- *) Ber. IV, 3. .2) Das. V, 3; vgl. darüber auch S. D, Luzzatto Einleitung zum Machsor Romi p. 3. 8) Vgl. Delitzseh, Zur Geschichte der jüdischen Poesie p. 192. *) Revue des Etudes Juives XIV, 28 ff.

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