Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 488 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829760-2829766-2884180--31656-2884290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
488 Besprechungen. von dort hinausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgestrecktem Am, darum hat dir dein Gott geboten denSabbathtag zu feier n“. Wenn es sonst mehrfach in der Bibel heisst :״Du sollst den Fremdling nicht unterdrücken"; denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten“, so hat mit Recht noch Niemand den Satz dahin verstehen wollen, als gebe der Nachsatz den wirtlichen Grund des Vordersatzes an,‘und noch Niemand hat meinen wollen, dass es den Israeliten, wenn sie etwa nicht Fremdlinge in Aegypten gewesen wären, erlaubt worden wäre, die Fremdlinge zu unterdrücken. Wie vielmehr hier dem Israeliten nur nahe gelegt wird, dass gerade er besondere Ursache habe diese unmoralische Handlung zu unterlassen, so wird in Deutr. 5, 15 nur gesagt, dass Gott an Israel wegen der ihm besonders erwiesenen Gnade der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschatt, die schwere Forderung, sowohl selbst jegliche Arbeit zu unterlassen, als auch dem Fremdling, ja selbst dem Viehe jede Thätigkeit zu erlassen, eher als an alle andere Menschery zu stellen berechtigt sei. 7. Als einen Beweis für den specifisch-jüdisehen Character des Sabbath verweist Barth auf die zahlreichen jüdischen Institutionen, die sämmtlieh nach der Zahl 7 geordnet sind. Leider ist der Beweis nicht durchschlagend. Denn gerade auch für die urbabylonischen Religionsanschauungen ist nichts so charakteristisch als eben die heilige Zahl 7. Schon die altsumerisclien Hymnen der vorabrahamischen Zeit, verherrlichen diese Zahl. Auch bei vielen anderen Völkern des hohen Althertums, bei Indern, Aegyptern und Persern ist dies ausnahmslos der Fall. Auch die Bibel bestätigt dies vielfach, vgl. z. B. Gen. 4, 24. 21, 28—31. 38, 3. 29, 20. 27. Numeri 23, 1 u. a. anderen Stellen. 8. Auch Jens ens Behauptung: dass die Woche eine altjüdische Einrichtung sei, hätte nicht so ohne weiteres von Barth (S. 8.) accepti'ert werden dürfen, da die Aufstellung ja mit zahlreichen biblisehen Angaben (vgl. Gen. 8, 10. 12, 29. 27.) in Widerspruch steht. 9. Bei der Zurückweisung der sogenannten Känanäerhypothese hat König (S. 17 b) leider das wichtigste Moment unerwähnt gelassen, dass nämlich die zeitgenössischen ägyptischen Denkmäler über den chamitischen, bezw. nicht-semitischen Ursprung der Kananäer, gar keinen Zweifel mehr obwalten lassen1). JO. ln der Monotheismusfrage haben Barth, König und Kittel zwar die Behauptung Delitzschs mit triftigen Gründen zurückgewiesen. Aber in dem Eifer, Delitzsch zurückzuweisen, darf doch die Bibel selbst nicht übersehen werden. Wenn man sich so sehr bemüht den Leser zu überzeugen, dass die kananäisehen Völker von einem Monotheismus nie etwas gewusst haben, so muss man aber auch dem Leser darüber Aufklärung geben, wie er sich den kananäisch-heidnischen Priesterkönig Malki Zedek, den Zeitgenossen Amuxabbis, der uns Gen. 14, 18 begegnet, vorzustellen habe, wie sich dessen ״El eljon“ zu dem Gotte, den Abraham verkündete, und wie sieh ferner der Gotfcesbegrifi ״Henochs“ wie derjenige ״Noahs und seiner Söhne“ zu demjenigen Abrahams, verhalten habe. Ueberhaupt hinterlässt die Lectlire der Genesis hei jedem Leser den Eindruck, als hätte der Monotheismus mehr D Vergl. Lepsius Nub. Gramm, Einl. Brugsch. Völkertafel, S, 49 ff.