Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 487 (sequence 8)
- Language
- German
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Besprechungen. ז 48 5. Was nun die oben bereits beruh! ten Slindfluthanalogien angehL so weist Barth mit Recht auf die vielen grossen Abweichungen hin und glaubt mit Len ormand und Eie hm die beiden Berichte auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen zu dürfen. Leider bleiben jedoch bei dieser Annahme einige unaufgeklärte Rückstände. Denn, wenn es auch einleuchtend ist, dass eine so gewaltige Katastrophe naturgemäss Erinnerungen bei allen Völkern lebendig erhalten hat, so sind doch Analogieen wie die Wendung: ,.Die Götter rochen den süssen Duft-, die Götter rochen den Duft“ (vgl. Gen 8,21), und die Angabe, dass die Götter es gereuen und beklagen, dass die Menschen in der Eluth umgekommen seien (vgl. Gen. 8, 21 u. 9,11,15), als blosse geschichtliche Eiinnerungen gewiss n i c h t .anzusehen. Barth hätte lieber den keilschriftlichen Bericht seinem Alter nach untersuchen sollen. Er hätte dann gefunden, dass wir von diesem Berichte nur bestimmt wissen, dass er in seintr heutigen Eorm sicher erst aus der Zeit Assurbanipals stammt, einer Zeit also, in welcher die Assyrer bereits seit Jahrhunderten mit Israel in enger Berührung standen, und in welcher längst Hunderttausende von Israeliten mit ihren Priestern (Vrgl. II Könige 17, 27) in den assyrisch-babylonischen Provinzen ־wohnten. Wie alt aber diese heutige Version in den assyrischen Priesterkreisen zur Zeit seiner schriftlichen Fixierung gewesen ist, ob Ein Jahr oder 2000 Jahre, dafür hat man bis jetzt nicht den geringsten Anhaltspunkt finden können. Umgekehrt beweist der fragmentarische Siindfluthbericht, bei Scbeil. Recueil de Traveaux XX 2 ff, der aus dem 21. Jahrhundert >. Chr. stammt, dass der Sünd fluthbericht damals in einer ganz anderen Weise erzählt wurde. Auch die etwaigen Beweise für das hohe Alter des GUgamisayos beweisen für den mit ihm zusammenhängenden Sund fluthbericht nichts; denn dass dieser Zusammenhang kein ursprünglicher ist, ist allbekannt. Vrgl. auch Zimmern a. a. 0. 045. 6. Ungleich gründlicher als anderweitig ist hei Barth die Sabbathfrage behandelt. Am Ende jedoch hätte hier noch ein einziger Punkt, der von Delitzsch nur nebenher berührt wird, und der allerdings scheinbar, aber auch nur scheinbar1), von nebensächlicher Bedeutung ist, erörtert werden können. Ich meine den angeblichen Widerspruch in der Motivierung des Sabbath-Gebotes in Exod. 20, 11 und Deutr. 5, 15. Allein so verblüffend auch der scheinbare Widerspruch auf den fachmännisch nicht geschulten Leser wirken mag, so stellt er sich doch bei näherer Betrachtung als einfach nicht vorbanden heraus. In Exod. 20,11 ist die objective Motivierung der Heiligung des Sabbathtages angegeben. »In sechs Tage hat Gott Himmel und Erde geschaffen und am siebenten hat er geruht. Deshalb hat Gott den siebenten Tag gesegnet und geh eilig t“. Bei der Wiederholung des Dekalogs im Deuteronomium soll dagegen nicht die Sabbathheiligung an sich begründet werden. Diese wird vielmehr bereits als allgemein bekannt vorausgesetzt. Es soll dort, wie der Augenschein lehrt, nur dafür ein Grund angegeben werden, weshalb gerade den Israelit e n die Heilighaltung dieses Tages anbefohlen worden ist. ״Du sollst daran denken, dass du Knecht in Aegypten wärest und dein Gott dich *) Wie wenig nebensächlich in Wirklichkeit der Gegenstand ist, ersieht man z. B. daraus, das8 König in der That die Motivierangen das Sabbaths im Dekalog für spätere Zusätze hält. Vgl. NKZ. XII, 5.