Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 484 (sequence 5)
- Language
- German
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484 Besprechungen. Kananäer die, nach Delitzsch, den Juden den Jahwismus .gegeben haben sollen, den Untergang desselben sahen? Dasselbe Räthsel besteht auch hinsichtlich des Monotheismus, den, nach Delitzsch, schon die alten Kananäer gehabt haben sollen. Hinsichtlich der Entlehnung von Gen. I. aus den keilinschriftliehen Berichten sagt Hommel a. a. 0. 115, dass von einer Herleitung des biblischen Berichtes aus dem keil schriftlich erhaltenen durch und durch polytheistischen Epos aus den verschiedensten Gründen keine Rede sein könne. Hingegen möchte Hommel einen Zusammenhang mit einem zu reconstruirenden ehaldäischen Berichte sehen. Auf welch sicherer Basis diese Reconstruction beruht, wollen wir jetzt dahingestellt sein lassen. Gegen die Behauptung Delitzschs, dass auch in der Gen. ursprünglich ein Kampf Jahves mit dem Drachen geschildert war, und dass der priesterliche Verfasser von Gen. I ängstlich darauf bedacht war, bei der Herübernahme, alles Mythologische daraus zu entfernen . wendet Hommel ein: es sei ebensogut möglich, dass eine Anschauung, wie sie in Gen. I ausgesprochen ist, erst von den Babyloniern zu der grobmythologischen Vorstellung des Tehom als eines Drachens und des Kampfes des Schöpfergottes mit diesem Drachen ausgestaltet wurde, als dass der Sachverhalt etwa umgekehrt gewesen sei. Hommel denkt dabei an eine Zuriickführung von Gen. I und des Keil schriftepos auf eine Ueberlieferung aus der Heimat Abrahams, die dem Berichte von Gen. 1 ganz entsprach. Die Schriften von Barth und König ergänzen einander vorziiglich. Etliche Momente, die Barth glaubte unberücksichtigt lassen zu dürfen, haben bei König gründliche Beachtung gefunden, und so auch umgekehrt. Von beiden Abhandlungen gebührt jedoch derjenigen des Prof. Barth entschieden der Vorrang. Zunächst darum, weil bei Barth sämtliche wichtige Momente, wie S a b b a t h, Schöpfung, Monotheismus und Sündfluth eingehende Behandlung gefunden haben, was bei König nicht in diesem Umfang der Pall־ ist. Schöpfung, Sabbath und Sündfluth z. B. sind bei König nur ganz nebensächlich berührt. Dann aber auch wegen der übersichtlichen und wohl geordneten Darstellung, die Barth’s Schrift vor derjenigen Konig’s auszeichnet. Mancher wird vielleicht auch Barth’s akademische Ruhe im Vergleich zu König’s überschwenglicher, wenn auch wohl begreiflicher Begeisterung, als einen Vorzug ansehen. Anderen dagegen wird gerade König’s Wärme der Darstellung und seine Begeisterung für die biblischen Ideale besonders Zusagen. Auch sind bei König die kulturhistorischen Vergleichungspunkte mit grösserer Schärfe hervorgehoben. Dazu kommt die Geschicklichkeit, mit der er die Gewissenhaftigkeit und Treue der biblischen Geschichtserzählung in das rechte Licht zu setzen verstanden hat. Nun noch einige Einzelheiten: 1. Barth weist auf die vielfachen Abweichungen zwischen dem biblischen Schöpfungsberichte und dem KeiLinschriftenepos hin, so z. B. darauf, dass nach, dem ersteren Himmel und Erde aus dem Tehom entstanden, während nach dem letzteren nur Himmel und Eschera (ebenfalls Himmel) daraus heryorgegangen sind. Eerner folgt in der Bibel die Erschaffung der Pflanzen auf die Trennung des Himmels von der Erde, während im Epos gleich, nach dem Himmel die Sterne geschaffen werden. In der Bibel erschafft der Eine