Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 482 (sequence 3)
- Language
- German
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.482 Besprechungen. ,freie •־und erleuchtete Geister offen lehrten, dass Nergal und Nebo, Mondgott und Sonnengott, Raman und andere Götter eins seien״ weist Jensen mit einer Entschiedenheit, wie sie nur ein Fachgelehrter dieses Ranges sich gestatten kann, zurück, indem er mit Bestimmtheit behauptet, dass in den babylonischen Texten davon absolut nichts zu finden sei. Auch dass das von Delitzsch in Eig. 39 reproducierte Bild den Sündenfall darstellen solle* stellt er entschieden in Abrede. Er meint vielmehr dieses Bild stelle zwei Götter dar, die am Lebensbaume sitzen, und die Schlange sei als Hüterin des Baumes anzusehen. Diese Vermuthung wird dadurch noch verstärkt, dass es noch manche andere ähnliche Siegelcylinder giebt־, auf denen Götter und Engel als Wächter eines heiligen Hains erscheinen1)- Ferner weist J e n s e n nach, dass die Fig. 49, die Deiizsch mit der Vision Ezechiels in Verbindung bringt, mit Fig. 48 identisch ist, und folgert daraus, dass dieses Bild den Sonnengott über den Ocean fahrend darstellt und mit der Erscheinung Ezechiels nicht das Geringste zu thun hat. Auch die bei Delitzsch (35) citierten 3 babylonischen Verbote, von denen das 5., 6. , und T. Verbot des Dekalogs eine wörtliche Uebersetzung sein sollen, citiert Jenson wörtlich ihrer Reihenfolge nach und beweist haarscharf, dass diese babylonischen Sätze keineswegs so aussehen, wie sie Delitzsch hinstellt, und dass sie weder dem Inhalte noch, der Reihenfolge nach den Verboten des Dekalogs entsprechen. Jenson beweist ferner etymologisch präcis, dass nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vorhanden sei, das Wort Sahbath als aus dem Assyrobabylonischen stammend anzasehen. Das Wort sei vielmehr echt hebräisch. Es könne höchstens von einer Verwandtschaft zwischen diesem Worte Und dem assyrischen Sabbatu, nicht aber von einer Entlehnung die Rede sein. Ebensowenig dürfe von einer verwandschaftlichen Beziehung zwischen dem biblischen Ruhetag und dem babylonischen 7., 14., 21. und 28. des Monats ernsthaft geredet werden. Gegen Delitzschs Etymologie von ״ilu“ wendet Jensen ein, dass, wenn dieses Wöitchen mit dem hebräischen ״e), zu“ zusammenliinge, es höchstens die ,.Richtung“ aber nicht das ״Ziel“ bedeuten könnte. Diesem letzteren Einwurfe Jensens wird allerdings kaum ein Sprachforscher grossen Werth beimessen. Erwägenswerther wäre vielmehr Königs Nachweis [a. a. 0. S. 31], dass die häufigere und ursprünglichere Bedeutung des hebr. ״el“ ״Kraft und Macht“ sei. Aber neben den zahlreichen gesicherten und dauernd werthvollen Belehrungen, die wir dem berühmten Forscher verdanken, fehlt es bei ihm auch nicht an Aufstellungen, die mindestens gerade so hypothetisch, haltlos und unbegründet sind wie diejenigen seines Gegners. Dass die Hypothese von der Einwanderung kananäisclier Stämme nach Südbabylon eine völlig unbegründete ist, weiss heute Jedermann. Dass ferner all die Namen der Amurabidynastie genau so gut baby- Ionisch wie kananäisch sein können, ist schon längst bewiesen. Und wenn Jensen auf Grund des Gilgamisayos bestreiten möchte, dass Abraham aus Ur in . Südbabylonien stamme,, so wird es doch noch mancher Leser für fraglich halten, oh diese Gilgamis-Hypothese irgendwie gesicherter sei als Delitzsch’s Kananäer-Hypothese. Es ist hier nicht der Ort, die längst überwundene Bernstein-Steinthar sehe Mythen- Hypothese, die jüngst wunderlicher Weise von Stucken und Winckler wieder hervorgezogen worden, ist, . von neuem . als unhaltbar l) Vergl. Shmith a. a. 0. 84, 89.