Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 481 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 481 eine Popularität, wie sie nur ganz ausnahmsweise der Mittheilung wissenschaftlicher Ergebnisse zuteil wird. Durch diese schnelle uncl überraschend ausgedehnte Verbreitung, welche die Behauptungen Delitzschs erlangt haben, fühlten sich die Fachgelehrten beider Facultäten, der theologischen, und der orientalistischen, um so dringender veranlasst, von neuem zu diesen zwar längst bekannten, aber •erst jetzt zu allgemeiner Kenntniss gelangten Behauptungen Stellung zu nehmen. Eine gründliche Prüfung derselben ergab dann sofort die Unsicherheit, in vielen Fällen sogar die Unmöglichkeit der von Delitzsch vorgetragenen Ausführungen. Die entgegengesetzten Resultate, zu denen die Delitzsch-Kritiker gelangten, wirkten dabei umso überraschender, als. Delitzsch durch das volksthümliehe Gewand, das er selbstverständlich seinem Vortrag verleihen musste, jede Begründung und jede Beibringung von Beweisen unterlassen hatte. Dadurch erhielten die Aufstellungen des Gelehrten zugleich einen Charakter der Unfehlbarkeit, der dem Vortragenden selber von vornherein gewiss ganz fern gelegen hat. So unangenehm es nun auch berühren muss, dass dieses Bauen undEinreissen innerhalb der wissenschaftlichen Kreise bei denLaien einen deprimierenden Eindruck hervorzurufen geeignet ist, so ist dennoch nicht zu verkennen, dass gerade dieser gegenseitige Ideenaustausch zur Klärung der Ansichten und vielleicht zur endgültigen Lösung dieser alten wissenschaftlichen Erage führen kann. Von den am Beginne unserer Besprechung aufgezählten Abhand- ,uugen, verdienen diejenigen Jensen's, Ho mm eis Barth’s und JK׳önig’s eine besondere Aufmerksamkeit. Während nämlich Kittel nur die Monotheismus- und Jahve- Frage behandelt, und Oettli und Cornill hauptsächlich die ethi- .sehen und culturhistorisehen Parallelen auf ihren Werth und Unwerth prüfen, haben Barth und König fast sämmtliche Behauptungen Delitzsch’s einer gründlichen Kritik unterzogen. Je ns e n und Ho m m el aber, die anerkanntermaassen das ganze Gebiet dieser Specialforschung wie kaum Andere beherrschen, sind in der Lage, Delitzsch’s Auf- Stellungen sowohl ihrem inneren Werthe nach als auch bezüglich der Stichhaltigkeit der herbeigezogenenAnalogieen maassgebend zu beurtheilen. Jens en hat z. B. die ganze Drachenkampf-Hypothese, die seit den achtziger Jahren sämtliche Theologen und Orientalisten in Athem hält, und der Gunkel den grössten Teil seines neuen grossen Werkes gewidmet hat, mit einem Schlage vernichtet, indem er mit Recht nachweist, dass die ganze keilin schriftliche Tiamatepisode überhaupt von keinem Drachen berichtet, und dass auch das von Delitzsch in Fig. 38 reproducierte Bild den Drachenkampf durchaus nicht darstellen kann, und zwar darum nicht, weil weder das dort gezeichnete Thier ein Drache ist, noch als ein weibliches Wesen erscheint, was es doch, wenn darin die Tihamat, die Mutter der Götter, dargestellt werden, sollte, unbedingt sein müsste* 1 *)• Auch die von Delitzsch (49) hingeworfene sehr befremdliche Behauptung, dass ג) Vergl. die deutlichere Wiedergabe dieses Reliefs im Smiths chald. Gen. 90, woselbst das membrum virile deutlich und unverkennbar zu sehen ist. Auch Zimmern in dem soeben erschienenen KAT.3 II., 1, S. 502, der auf den ersten von Jensen hervorgehobenen Punkt kein Gewicht legen will, hält dieses Moment für unumstösslich.