Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Amoräer in neuer Beleuchtung
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 441 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Amoräer in neue! Beleuchtung. 441 dienen. Aber auf welche Weise? Wenn man nicht die Dinge gewaltsam auf den Kopf stellt, widersprechen Babli und Jer. einander schnurstraks. Nur der Verfasser findet heraus, dass nicht bloss kein Widerspruch vorhanden sei, sondern viel־ mehr, dass hier der Babli nur durch den Jer. erklärt werden könne. Und zwar hat es damit folgende Bewanatniss: Es ist klar, sagt der Verfasser, dass R. Chanina und Rab eben darin differiren, wie Rabbi entschieden hat. Demnach geben die in Babli angeführten Boraitot die Meinung Rabbi’s nach der Ueberlieferung R. Ghanina’s wieder, während, nach Rab, Rabbi gerade der entgegengesetzten Ansicht, gewesen wäre. Vor Allem steht nun im Jer. nichts davon, dass R. Oh. und Rab hinsichtlich Rabbi’s differiren. R. Ch; hat für sich eine Ansicht ausgesprochen, während Rab von einer entgegengesetzten Entscheidung Rabbi’s in einem factischen Falle spricht. Wie wird Jemand auf den Gedanken kommen, dass sie sich diamentral widersprechen, und dass sie gerade in Bezug auf Rabbi differiren? Aber, selbst das Alles zugegeben, was bedeuten nach dem Verf. die Worte הני מתניתייא רבי היא? Seiner Meinung nach bedeuten sie das gerade Gege n theil von dem, was sie wörtlich besagen. Sie sind ungefähr so zu verstehen; הגי מתניתייא רבי״, aber vergleiche gefälligst Jer. Ket., dann wirst du finden, dass, nach Rab, Rabbi das gerade Gegentheil behauptete״. Folglich ist es im Sinne Rab’s, von dem doch eben die Rede ist, ganz falsch, wenn es heisst : אמר רבי הואיל ומכוער הדבר תצא. Rabbi hat vielmehr so etwas niemals behauptet, und auch die früher angeführten Boraitot הנטען על אשת איש וכד und בד״א כשאין לה בנים sind unrichtig. Denn lediglich R. C11. ist der Ansicht, dass nach Rabbi תצא בעירי כעור — was übrigens, wie bereits bemerkt, nicht einmal im Jer. Ketubbot, sondern bloss im דורות הראשונים steht — und in seinem Sinne ist die Boraita von רוכל und sind die anderen beiden Boraitot, von denen gegen Rab gefragt wurde, gemeint. In der That eine sehr einfache Erklärung, die der Verfasser mit Recht einführt mit den Worten ועיין בזה דבר ־!נפלא אשר יאיר לפנינו את דברי הבבלי בירושלמי כתובותEs mag ja Leute geben, die an solchen Erklärungen ein besonderes Behagen finden, und wir nehmen es dem Verfasser gar nicht übel, wenn sie ihm selber sehr gut gefällt. Hoffentlich aber wird'man-es uns nicht als ein Verbrechen anrechnen, wenn wir von derselben nicht in gleicher Weise entzückt sind. II. Das angeführte Beispiel charakterisirt bereits hin-