Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 433 (sequence 7)
- Language
- German
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Geschichte, des Achtzehngebets. 433 Abendgebet konnten die Leute abwarten1). Die Synagogen befanden sich auf freiem Felde, weit von der Stadt entfernt. Die Andächtigen wollten den Aufenthalt in der Synagoge zur Abendstunde möglichst abkürzen; darum wurde ihnen die Tefilla ganz erlassen und an ihrer Stelle achtzehn Bibelverse (ברוך ד׳ לעולם) eingeführt. So heisst es im Semag, Gebote Nr. 19 (ecL Ven. 102 a) t ״Es schrieb mein Lehrer R. Jehuda b. Jizchak (Sir Leon), dass die Bibelverse vor יראו עינינו und der abschliessende Segen nicht in der Zeit des Talmud verfasst seien; jedoch da wir die Ansicht angenoEomen haben, dass die Abendtefilla nur freiwillig ist, da ferner die Synagogen der Alten entfernt von ihren Wohnhäusern waren, und sie sich dort nicht bis nach Beendigung der Abendtefilla auf halten konnten, bestimmte man ihnen diese Bibelverse, in denen achtzehn Gottesnamen enthalten sind, entsprechend den Benedictionen des Achtzehngebets, und zum Abschluss einen Segensspruch. Nachdem diese ■Verse einmal eingeführt waren, wurden sie nicht wieder entfernt.“ Daher haben wir beides in unserem Gebete, die als Ersatz für die Tefilla eingeführten Bibelverse und diese selbst2). Im allgemeinen war die Tefilla in der Fassung üblich, wie sie oben geschildert wurde. Bald aber kamen neue Stücke hinzu, die für immer hinzugefugt, bald solche, die nur für bestimmte Tage und Zeiten eingeschoben wurden. Nach dem Ausspruch des ß. Jochauah3) soll man am Anfang der Tefilla Psalm 51, 7 am Ende Psalm 19, 15 sprechen. Nach Eschkol (I, 17) und Schib. Lek. (Bub. ט) scheint es Leute gegeben zu haben, die mit dem Verse שומע תפלה 9 Daher findet sich in den Responsen Alias si’s Ko. 204 (ed. Warschau, S. 88) der Brauch, dass der Vorbeter am Abend für die zu spät zum Gottesdienst Erschienenen vor der Tefilla noch einmal ברכו wiederholt. Diese Einführung weist darauf hin, dass einst entweder die ש״ע abends gar nicht gebetet wurde, oder dass das Volk vorzeitig den Gottesdienst verliess. Daher wurde das noch heute im sephardischen und italienischen Ritus am Schluss des Gottesdienstes übliche zweite ברכו schon früher am Ende der zum שמע gehörigen Benedictioiien gesagt. Im sepli. Ritus ist das Stück ברוך די לעולם או״א nicht üblich, im italienischen wird es leise gesprochen. 2) Vgl• ausführlich L. Loew in Monatsschrift 1884, S. 112 ff.; ganz ähnlich wie Semag begründet auch Scliib. ha Leket (ed. Bub er כ״א) diese Einführung als eine in Palaestina angenommene Bestimmung der babylonischen Geonim. 3) Ber. 4 b j. 8 a unten.