Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Geschichte des Achtzehngebets
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 431 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte des Achtzehngebets. 431 Vortrag der Tefilla durch׳ den Vorbeter zu begnügen. IL Gamliel hingegen mochte den Unterschied zwischen Kundigen und Unkundigen nicht anerkennen. Dennoch behielt auch er die leise Tefilla bei, nicht für die Beter, wohl aber um dem Vorbeter, dem kein Gebetbuch yorlag, Zeit für das Ordnen der Tefilla zu lassen. Die Meinung B. Gamliels blieb auch in diesem Punkte die herrschende; Abkürzungen wurden nur in Ausnahmefällen gestattet, die ganze Tefilla drang im das Bewusstsein des Volkes ein. Die leise und die laute Tefilla wurden beibehalten1), auch nachdem die Verhältnisse verändert waren, das Vorbeten, wie in amoräischer Zeit, ein festes Amt, und das Gebet durch die tägliche Uebung geläufig war. In Babylonien hielt man streng auf die Sitte, dass die Gemeinde nur leise betete, in Palästina hingegen wurde gegen die Vorschrift des Talmud die Tefilla laut gesprochen2). In der alten Zeit, wie es scheint noch in Amrams Siddur, trat der Vorbeter erst bei der lauten Tefilla yor die Lade3). Man forderte yoii dem Vorbeter Keantniss des Inhalts und Andacht beim Vortrag der Tefilla4), damit sein Gebet gegebenen Palls, namentlich wo die Gemeinde der hebräischen Sprache nicht mehr mächtig war, auch für die Gemeinde genüge5). Die späleren Geonim pflegten eiren ihrer Schüler mit dem Vorbeten zu beauftragen6). Von seltsamen Gebräuchen beim Wiederholen der Tefilla wird berichtet, dass man in Catalonien Freitag Nachmittag (Minchab) zwischen der leisen und der lauten Tefilla einen Kaddisch einfügte7). Die Wiederholung der Tefilla wurde nur zeitweise aufgehoben, und zwar, wie bekannt, durch Maimonides. Zur Hebung der Andacht traf er für Kairo die Bestimmung, dass die Tefilla sogleich vom Vorbeter laut begonnen werde; die Gemeinde in Kairo hat diese Einrichtung noch im Jahre 1559 beobachtet8). Mai- 0 Wiederholung der Tefilla im Talmud ct, z. B. Sota 40 a, jer. Ber. I, 8 (8 c). 2) Müller, Chillufim No. 43. Zunz R. S. 83. 3) R. p. 6, Siddur des R. Amram Gaon S. 10 ob.; vgl. auch R. Hai Gaon in Resp. שעלי תשר No. 120.. 4) Resp. das. 352. 5) ibicl 346 und Müller, מפתח לתשר חנוונים p. 208; im Siddur von Yemen heisst es auch jetzt noch: ״Dann tritt der Vorbeter hervor und wiederholt mit lauter Stimme (die Tef.), damit er demjenigen, der nicht weiss, Genüge thue.“ ■Bacher in Jew. Quart. Rev. XIV, 586.. 6) Müller 1. c. S. 183. ל) Zunz R. S. 41. »)' R. S. 55.