Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 46 (1902)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1902)
- Article
- Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 424 (sequence 18)
- Language
- German
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424 Di© Vorlesungen Harnacks über das Wesen des Christentlmms. Wiedererlangung der Gnade Gottes führen werde. Alle ihre Strafreden schliessen mit solchen trostvollen Verheissungen : ״In der Noth, wenn dich alle diese Dinge treffen werden, am Ende der Tage, wirst du zurückkehren zum Ewigen, deinem Gotte und wirst auf seine Stimme hören. Denn ein erbarmungsv oller Gott ist der Ewige, dein Gott, er wird dich nicht von sich lassen und dich nicht der Vernichtung preisgeben, er wird des Bundes mit deinen Vätern nicht vergessen, den er ihnen zugeschworen hat“1). Von späteren Propheten wird dieser Gedanke weiter ausgeführt und verkündigt, dass einst das Gute zur herrschenden Macht werden werde, dem alle Menschen sich b e u g e n. Schon Abraham war verheissen worden, ״dass durch ihn gesegnet werden alle Völker der Erde.“ Mit besonderer Klarheit tritt diese Idee in den Worten eines der ältesten Propheten hervor, die Jesaias2) und Micha3) berichten; sie wird von Jesaiäs im Einzelnen ausgefübrt4) und findet ihren kürzesten Ausdruck in den Worten: ״mein Haus soll ein Bethaus ״genannt werden f' ü r alle Volke r“. Als Jerusalem und der Tempel durch Nebukadnezar zerstört worden waren, da pflanzte Jeremias sofort auf der Stätte der Zerstörung die Fahne der Hoffnung auf und verkündigte, dass Gott sein. Volk nicht verlassen, dass die Weggeführten wiederkehren, Jerusalem und der Tempel neu aus ihrer Asche erstehen werden. Und die Propheten des Exils erfüllten ihre Zuhörer mit diesem Gedanken, entrissen sie der Verzweiflung und der Selbstaufgebung und bereiteten die Rückkehr und die Wiederauferstehung Juda)s vor. Was von ihren Verheissungen keine Verwirklichung fand, das wurde von einer späteren Zukunft erwartet. Und als Bringer derselben wurde ein ״Gesalbter Gottes“ erhofft. So ging diese Hoffnung aus *dem Glauben Israels an seine Lehre, an die ihm gewordenen Verheissungen und an seine Heiligthümer hervor. In dieser Richtung hat sie sich entwickelt und aus diesem Glauben auch stets Saft und Nahrung gezogen. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels, als Israel im eigenen Lande keine Macht mehr besass, und seine Söhne *) 5. B. M. 4y 29 fl־; vgl. 3. B. M. 26, 40 ff. 5. B. M. 30, 1 ff. *) 2, 2 ff. 3) 4, 1 ff. 4 ,51; 7—1 ,49 ף ff; 52, 14 f. c. 53 : 55, 4 ff : 56, 2 ff.